Inkontinenz

Das Wichtigste in Kürze

Unwillkürlicher Urinverlust ist auch bei älteren Hunden nicht einfach normal. Eine Untersuchung hilft, die Ursache zu finden.

Wann zum Tierarzt?

🔴 Sofort in die Tierklinik oder zum Notdienst: Bei Urinverlust zusammen mit plötzlich gelähmten Hinterbeinen oder schmerzhaftem erfolglosem Pressen sofort Hilfe holen.

🟠 Heute noch tierärztlich abklären: Wiederholten Urinverlust zeitnah untersuchen lassen. Bei Blut oder Schmerzen heute Kontakt aufnehmen.

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Nasse Flecken im Körbchen, Tropfen auf dem Boden oder ein feuchtes Fell an der Scham: Inkontinenz beim Hund ist für Hund und Halter belastend. Gemeint ist laut MSD Veterinary Manual die Unfähigkeit, den Urinabsatz zu kontrollieren. Dein Hund macht das nicht absichtlich und merkt es oft selbst nicht. Wichtig ist die Unterscheidung zu Unsauberkeit, Markieren oder Pfützen aus Angst. Inkontinenz lässt sich häufig gut behandeln, wenn die Ursache bekannt ist. Hier erfährst du, welche Gründe infrage kommen und wie du deinem Hund helfen kannst.

Hund Inkontinenz: Mögliche Ursachen

Schließmuskelschwäche nach Kastration

Ein häufiger Grund ist ein schwacher Verschluss der Harnröhre durch einen Mangel an Geschlechtshormonen bei kastrierten Hunden. Laut MSD Veterinary Manual ist diese hormonabhängige Form besonders bei Hündinnen häufig. Typisch ist, dass die Hündin im Liegen oder Schlafen Urin verliert, sonst aber normal Wasser lässt. Mehr dazu liest du unter Harninkontinenz beim Hund.

Ektopischer Harnleiter

Tropft ein Welpe ständig Urin, kann ein ektopischer Ureter beim Hund dahinterstecken. Dabei mündet ein Harnleiter nicht in die Blase, sondern zum Beispiel in die Harnröhre oder Scheide. Laut MSD Veterinary Manual wird die Fehlbildung meist bei Welpen im Alter von 3 bis 6 Monaten erkannt. Hündinnen sind 8-mal häufiger betroffen als Rüden. Ein hohes Risiko haben West Highland White Terrier, Foxterrier sowie Zwerg- und Toypudel, ein etwas erhöhtes Risiko Siberian Huskys und Labrador Retriever. Typisch ist ein ständiges Tropfen. Ist nur ein Harnleiter betroffen, kann der Hund trotzdem normal Urin absetzen.

Blasenentzündung und Harnsteine

Eine Blasenentzündung beim Hund verursacht starken Harndrang. Viele Hunde schaffen es dann nicht mehr rechtzeitig nach draußen und machen laut MSD Veterinary Manual an ungewohnten Stellen. Auch Harnsteine und eine entzündete Blase können zu einer sogenannten Dranginkontinenz führen.

Nervenschäden

Schäden am Rückenmark, etwa durch einen Bandscheibenvorfall beim Hund, können die Steuerung der Blase stören. Dann kommen oft Schwäche oder Lähmung der Hinterbeine hinzu.

Vermehrter Durst

Hunde, die krankhaft viel trinken, etwa bei Diabetes mellitus, Cushing-Syndrom oder Nierenerkrankung, haben eine volle Blase und verlieren häufiger Urin. Das ist keine echte Inkontinenz, wirkt aber ähnlich.

Warnzeichen: Wann es ein Notfall ist

Inkontinenz selbst ist meist kein Notfall. Sofort zum Tierarzt solltest du aber, wenn

  • dein Hund zusätzlich die Hinterbeine nicht richtig bewegen kann oder Rückenschmerzen zeigt,
  • er ständig presst, aber kaum Urin kommt,
  • Urin tröpfelt, obwohl die Blase prall gefüllt wirkt,
  • er Blut im Urin hat, erbricht oder sehr matt ist,
  • die Inkontinenz nach einem Unfall oder Sturz auftritt.

Ein verschlossener Harnweg ist laut MSD Veterinary Manual ein Notfall, der sofort behandelt werden muss. Mehr zur Ersten Hilfe findest du unter Notfall und Erste Hilfe für Hund und Katze.

Was du zu Hause tun kannst und was nicht

  • Beobachten: Verliert dein Hund Urin im Schlaf, beim Gehen, bei Aufregung oder ständig? Wie viel trinkt er? Notiere das für den Tierarzt.
  • Häufig rauslassen: Mehr Gassirunden, auch kurz vor dem Schlafengehen, entlasten die Blase.
  • Haut schützen: Halte das Fell um Scham und Bauch sauber und trocken. Ständiger Urinkontakt reizt die Haut. Bei Hündinnen mit ektopischem Harnleiter kann sich laut MSD Veterinary Manual Scheide oder Schamlippe entzünden.
  • Waschbare Unterlagen: Inkontinenzunterlagen oder Schutzhöschen für Hunde erleichtern den Alltag.
  • Nicht schimpfen: Dein Hund kann den Urinverlust nicht steuern. Strafe verunsichert ihn nur.
  • Wasser nicht einschränken: Weniger Wasser löst das Problem nicht und kann gefährlich sein.
  • Keine Medikamente für Menschen und keine Hormonpräparate ohne tierärztliche Verordnung.

So untersucht der Tierarzt

Am Anfang stehen deine Beobachtungen und eine gründliche allgemeine Untersuchung. Der Tierarzt tastet Blase und Nieren ab, untersucht die Geschlechtsorgane und prüft bei Bedarf Reflexe und Nervenfunktion. Eine Urinuntersuchung zeigt Infekte, Blut, Zucker und die Konzentration des Urins. Für eine Bakterienkultur wird der Urin am besten per Blasenpunktion gewonnen.

Je nach Verdacht folgen Blutuntersuchungen, Ultraschall und Röntgen. Einen ektopischen Harnleiter kann der Tierarzt laut MSD Veterinary Manual mit Röntgenaufnahmen nach Gabe eines Kontrastmittels in die Vene nachweisen. Spezialisierte Praxen setzen zusätzlich CT oder Blasenspiegelung ein.

Behandelt wird je nach Ursache. Das MSD Veterinary Manual nennt Hormone bei Hormonmangel, Medikamente, die den Schließmuskel stärken, und weitere Wirkstoffe bei Drang- oder Blasenmuskelschwäche. Ein ektopischer Harnleiter wird operativ verlegt. Manche Hunde tröpfeln danach weiter, das lässt sich oft mit Medikamenten verbessern.

Was kostet die Abklärung?

Abgerechnet wird nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), im einfachen bis dreifachen Satz zuzüglich 19 % Mehrwertsteuer. Typische Positionen nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), netto:

Leistung (GOT-Nr.) 1-facher Satz 3-facher Satz
Allgemeine Untersuchung mit Beratung (16) 23,62 € 70,86 €
Punktion, z. B. der Blase (103) 20,54 € 61,62 €
Ultraschalldiagnostik (180) 58,92 € 176,76 €
Röntgen, 1. und 2. Aufnahme je (166) 26,53 € 79,59 €
Blutprobenentnahme venös (627) 10,26 € 30,78 €

Urinuntersuchung, Laborwerte, Kontrastaufnahmen und Medikamente kommen je nach Befund hinzu. Eine Operation beim ektopischen Harnleiter kostet deutlich mehr. Mehr zum Ultraschall findest du unter Ultraschall beim Hund: Kosten. Im Notdienst gilt mindestens der 2-fache bis 4-fache Satz plus 50 € Notdienstgebühr. Einen neutralen Überblick bietet der Tierkrankenversicherung-Vergleich.

Vorbeugen

Angeborene Ursachen und die hormonabhängige Inkontinenz lassen sich nicht sicher verhindern. Hilfreich sind:

  • Beim Welpenkauf aus Risikorassen gezielt nach Inkontinenz bei Elterntieren und Wurfgeschwistern fragen.
  • Vor einer Kastration mit dem Tierarzt über das Risiko einer späteren Inkontinenz sprechen.
  • Harnwegsinfekte konsequent behandeln und den Behandlungserfolg kontrollieren lassen.

Häufige Fragen zur Inkontinenz beim Hund

Ist Inkontinenz beim alten Hund normal?

Sie kommt bei älteren Hunden häufiger vor, ist aber kein normaler Teil des Alterns. Oft steckt eine behandelbare Ursache dahinter.

Kann Inkontinenz nach der Kastration auftreten?

Ja. Der Mangel an Geschlechtshormonen kann den Verschluss der Harnröhre schwächen. Das betrifft laut MSD Veterinary Manual vor allem Hündinnen.

Ist Inkontinenz heilbar?

Das hängt von der Ursache ab. Infekte heilen meist aus, die hormonabhängige Form lässt sich häufig gut mit Medikamenten kontrollieren, die oft dauerhaft gegeben werden.

Mein Welpe tropft ständig. Ist das noch Stubenreinheit?

Ein Welpe, der ständig tröpfelt und nicht nur gelegentlich Pfützen macht, sollte untersucht werden. Ein ektopischer Harnleiter fällt meist im Alter von 3 bis 6 Monaten auf.

Quellen

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Kosten im Notdienst

Muss dein Tier außerhalb der Sprechzeiten behandelt werden, berechnen Tierärzte im Notdienst (werktags 18 bis 8 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen) nach der Gebührenordnung (GOT) mindestens den 2-fachen Satz, dazu kommt eine Notdienstgebühr von 50 € zuzüglich Mehrwertsteuer (Quelle: HanseMerkur – GOT). Mehr dazu im Ratgeber Tierarzt-Notdienst Kosten. Ob eine Versicherung die Kosten übernimmt, hängt vom Tarif ab – einen neutralen Überblick findest du im Tierkrankenversicherung Vergleich.

Ratgeber

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