
AV-Block beim Hund: Wenn die Herzsignale nicht mehr durchkommen
Dein Hund wird plötzlich träge, sein Puls ist auffallend langsam – vielleicht hatte er sogar schon einen kurzen Ohnmachtsanfall? Dann könnte ein AV-Block dahinterstecken: eine Störung der elektrischen Signalweiterleitung zwischen den Vorhöfen und den Kammern des Herzens.
Das Herz wird durch elektrische Impulse gesteuert, die im Sinusknoten entstehen und über den AV-Knoten in die Herzkammern weitergeleitet werden. Beim AV-Block ist genau diese „Leitung“ gestört – je nach Schweregrad verzögert sich das Signal nur, kommt teilweise nicht an oder wird vollständig unterbrochen. Dann schlagen Vorhöfe und Kammern entkoppelt, und die Kammern übernimmt ein Notfallrhythmus, der viel zu langsam ist, um den Körper bei Belastung zu versorgen.
Die gute Nachricht: Der hochgradige AV-Block ist – wie das Sick-Sinus-Syndrom – eine der Herzrhythmusstörungen, die sich mit einem Herzschrittmacher ausgezeichnet behandeln lassen. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Grade es gibt, welche Symptome auf dich zukommen, wie die Diagnose gesichert wird und wann dein Hund einen Schrittmacher braucht.
Das Wichtigste in Kürze
AV-Block beim Hund – das Wichtigste in Kürze
- Was ist das? Eine Störung der Erregungsleitung zwischen Vorhof und Kammer – die elektrischen Signale des Herzens werden verzögert, teilweise oder vollständig blockiert.
- Grade: Grad 1 (verzögert, oft harmlos), Grad 2 (teilweise blockiert), Grad 3 (vollständig blockiert – Notfallrhythmus nötig).
- Wen betrifft es? Jede Rasse; gehäuft ältere Hunde durch degenerative Veränderungen, aber auch junge Hunde mit angeborenem AV-Block oder nach Entzündungen.
- Typische Zeichen: Sehr langsamer Puls, Trägheit, Ohnmachtsanfälle bei Belastung – bei Grad 1 oft gar keine Symptome.
- Behandlung: Grad 3 und symptomatischer Grad 2: Herzschrittmacher – danach meist normale Lebensqualität.
- Kosten: Schrittmacher-Implantation etwa 3.000 bis 5.000 Euro – eine Hundeversicherung übernimmt sie in der Regel.
Wann zum Tierarzt?
Wann solltest du mit deinem Hund zum Tierarzt?
Ein langsamer Puls ist beim Hund nie „Fitness“ – im Gegensatz zum trainierten Menschen ist ein sehr langsamer Herzschlag beim Hund fast immer krankhaft. So ordnest du ein:
Zeitnah einen Termin vereinbaren, wenn:
- der Tierarzt bei der Kontrolle einen auffallend langsamen oder unregelmäßigen Herzschlag feststellt,
- dein Hund zunehmend träge wird, Spaziergänge verweigert oder lange braucht, um „in Gang“ zu kommen,
- der Ruhepuls dauerhaft unter 50 bis 60 Schlägen pro Minute liegt (bei kleinen Hunden unter 80),
- er bei Aufregung wackelt oder kurz einknickt.
Sofort in die Klinik – Notfall, wenn:
- dein Hund ohnmächtig wird – auch ein einziger Anfall bei bekanntem AV-Block ist dringlich,
- die Ohnmacht länger als eine Minute dauert oder sich häuft,
- er nach einem Anfall benommen bleibt oder Krämpfe zeigt,
- zusätzlich Atemnot oder Husten auftreten.
Puls messen zu Hause – so geht’s
Leg die flache Hand an die linke Brustwand direkt hinter dem Ellenbogen, wenn dein Hund ruhig liegt. Zähle 15 Sekunden und multipliziere mit vier. Notiere den Wert mit Datum – diese Zahlen helfen dem Tierarzt bei der Verlaufsbeurteilung mehr als jede Beschreibung.
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Was ist diese Krankheit?
Was ist ein AV-Block?
Der AV-Block (atrioventrikulärer Block) ist eine Störung der elektrischen Signalübertragung im Herzen. Um zu verstehen, was passiert, hilft ein Blick auf den normalen Ablauf: Jeder Herzschlag beginnt mit einem elektrischen Impuls im Sinusknoten des rechten Vorhofs. Die Vorhöfe ziehen sich zusammen, das Signal erreicht den AV-Knoten – die einzige „Leitung“ zwischen Vorhöfen und Kammern – und wird dort kurz verzögert, damit sich die Kammern füllen können. Dann schießt es über das spezialisierte Leitungssystem in die Kammern, die sich zusammenziehen und das Blut in den Körper pumpen.
Die drei Grade
- AV-Block Grad 1: Das Signal wird nur verzögert weitergeleitet – jeder Impuls kommt an, nur später. Meist ohne Symptome, oft Zufallsbefund im EKG.
- AV-Block Grad 2: Einige Signale kommen nicht durch – einzelne Herzschläge fallen aus. Je mehr Schläge ausfallen, desto langsamer und unregelmäßiger der Puls, desto eher treten Schwäche und Ohnmacht auf. Man unterscheidet Mobitz Typ 1 (eher mild) und Mobitz Typ 2 (eher Vorstufe zum kompletten Block).
- AV-Block Grad 3 (kompletter AV-Block): Kein Signal kommt mehr durch. Vorhöfe und Kammern schlagen völlig entkoppelt. Die Kammern werden von einem Ersatzschrittmacher angetrieben, der nur 20 bis 50 Schläge pro Minute erzeugt – viel zu langsam, um den Körper bei Belastung zu versorgen.
Die Folgen
Beim hochgradigen AV-Block bekommt der Körper dauerhaft zu wenig Blutfluss: Das Gehirn reagiert mit Ohnmachtsanfällen, der Kreislauf mit Schwäche. Langfristig kann das Herz durch die chronische Überlastung versagen. Anders als beim Sick-Sinus-Syndrom, bei dem der Taktgeber selbst ausfällt, ist hier die Leitung unterbrochen – das Ergebnis für den Hund ist aber ähnlich, und die Therapie ebenfalls: der Herzschrittmacher.
Symptome
Welche Symptome zeigt ein Hund mit AV-Block?
Die Symptome hängen direkt vom Grad ab – und genau diese Staffelung hilft dir bei der Einordnung:
Grad 1: Meist gar nichts
Der Grad 1 macht keine Beschwerden. Er fällt zufällig im EKG auf, etwa vor einer Narkose oder bei der Vorsorge. Dein Hund ist völlig normal – beobachten reicht hier in der Regel aus.
Grad 2: Die Übergangszone
- Leistungsabfall: Der Hund wirkt träge, müde, hat weniger Ausdauer,
- Unregelmäßiger, teils langsamer Puls – einzelne Schläge „fehlen“ spürbar,
- Schwächeanfälle bei Belastung – kurzes Wanken oder Hinsetzen, ohne umzufallen,
- bei häufigen Ausfällen: Ohnmachtsanfälle.
Grad 3: Der komplette Block
- Dauerhaft sehr langsamer Puls: oft nur 30 bis 50 Schläge pro Minute – fühlbar an der Brustwand,
- Wiederkehrende Ohnmachtsanfälle, besonders bei Aufregung oder Belastung – das Herz kann nicht schneller schlagen, wenn der Körper mehr braucht,
- Starke Trägheit: Der Hund schläft übermäßig viel, frisst schlechter, wirkt apathisch,
- Zeichen der Herzinsuffizienz bei längerem Bestehen: Husten, schnelle Atmung, Flüssigkeitseinlagerungen.
Wichtig zur Einordnung
Ein AV-Block Grad 3 ist eine ernste, potenziell lebensbedrohliche Situation – nicht wegen des langsamen Pulses allein, sondern weil jederzeit ein längeres Aussetzen des Ersatzrhythmus tödlich enden kann. Gleichzeitig ist er eine der am besten behandelbaren Herznotfälle: Mit dem Schrittmacher wird der Hund regelmäßig wieder ein ganz normaler Hund.
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Ursachen und Risikofaktoren
Wie entsteht ein AV-Block – Ursachen und Risikofaktoren
Der AV-Block ist keine einheitliche Erkrankung, sondern das Ergebnis verschiedener Schädigungen des Leitungssystems:
Degenerative Veränderungen – die häufigste Ursache
Bei älteren Hunden wird das Leitungsgewebe im AV-Knoten-Bereich zunehmend durch Bindegewebe ersetzt (Fibrose) – ein Verschleißprozess, ähnlich wie bei der Mitralklappenendokardiose an den Klappen. Das ist die häufigste Ursache des kompletten AV-Blocks beim Hund.
Angeborener AV-Block
Seltener wird ein kompletter AV-Block angeboren – das Leitungssystem ist von Geburt an unterbrochen. Diese Hunde fallen schon als Welpen oder Junghunde durch langsamen Puls und geringe Belastbarkeit auf; Mops und andere Rassen werden diskutiert. Ein Teil dieser Hunde kompensiert erstaunlich lange, braucht aber früher oder später einen Schrittmacher.
Entzündliche und infektiöse Ursachen
- Myokarditis – Herzmuskelentzündung, etwa viraler oder bakterieller Natur,
- Infektiöse Endokarditis – besonders wenn die Aortenklappe betroffen ist, liegt die Entzündung anatomisch dicht am AV-Knoten,
- Borreliose – die Zeckenübertragene Erkrankung kann in seltenen Fällen das Leitungssystem schädigen.
Weitere Ursachen
- Medikamente: Herzmittel wie Digoxin oder bestimmte Blutdrucksenker können einen AV-Block auslösen oder verschlimmern – absetzbar, deshalb wichtig auszuschließen,
- Erhöhter Vagustonus: Bei Hunden mit Atemwegs-, Magen-Darm- oder Augenerkrankungen kann ein nerval vermittelter, oft milder AV-Block auftreten, der mit der Grunderkrankung verschwindet,
- Tumore im Herzbereich (selten),
- Elektrolytstörungen – etwa stark erhöhtes Kalium bei Nierenerkrankungen oder Morbus Addison.
Risikofaktoren im Überblick
Alter (degenerative Form), große Rassen (statistisch etwas häufiger), Vorerkrankungen des Herzens und Nierenerkrankungen mit Kaliumanstieg. Für die degenerative Form gibt es keine Verhaltensprävention – aber für viele der anderen Ursachen: Zeckenschutz, Zahngesundheit, sorgfältige Medikamenteneinstellung.
Diagnose
Wie wird ein AV-Block diagnostiziert?
Abhorchen und Puls – der erste Hinweis
Oft beginnt die Diagnose in der Routine: Der Tierarzt hört einen langsamen, teils unregelmäßigen Herzschlag. Ein besonderes Zeichen beim kompletten AV-Block: Die Herztöne wechseln in der Lautstärke, und manchmal sind die Vorhofkontraktionen als leises viertes Geräusch zwischen den Schlägen zu hören – weil Vorhöfe und Kammern nicht mehr synchron arbeiten.
EKG – die entscheidende Untersuchung
Nur das EKG kann den AV-Block sichern und gradieren: Es zeigt, ob jede Vorhoferregung eine Kammererregung auslöst, wie lang die Leitungszeit ist und welche Ersatzrhythmen springen. Die Einteilung in Grad 1, 2 und 3 ergibt sich direkt aus dem EKG-Bild. Da leichtere Formen flüchtig sein können, wird bei unklarem Befund ein Langzeit-EKG (Holter) über 24 bis 48 Stunden empfohlen – es zeichnet den Rhythmus im Alltag auf, auch während der Ohnmachtsanfälle.
Herzultraschall und Blutuntersuchung
Der Herzultraschall prüft, ob strukturelle Herzerkrankungen vorliegen – etwa eine DCM, eine Endokarditis oder Klappenerkrankungen. Das Blutbild schließt Elektrolytstörungen (Kalium!), Morbus Addison und Schilddrüsenerkrankungen aus. Bei Verdacht auf Borreliose oder Myokarditis kommen spezifische Tests dazu.
Der Atropin-Test
Um zu unterscheiden, ob der Block nerval vermittelt (vagal) oder strukturell ist, kann der Tierarzt Atropin spritzen: Bricht der Rhythmus danach auf und schlägt das Herz schneller und regelmäßig, spricht das für eine nervale Ursache mit guter Prognose. Bleibt der Block bestehen, ist das Leitungsgewebe geschädigt – dann führt der Weg zum Schrittmacher.
Diese Unterscheidung ist praktisch wichtig: Ein vagaler AV-Block verschwindet mit der Behandlung der Grunderkrankung; ein struktureller Grad-3-Block braucht die Implantation.
Hundeversicherungen im Vergleich
<em><small>Alle Angaben ohne Gewähr. Maßgeblich sind die jeweiligen Versicherungsbedingungen. Pawmio bietet keine Versicherungsberatung an.</small></em>
<em><small>*Alle Angaben basieren auf öffentlich zugänglichen Informationen der Anbieter sowie auf Kundenbewertungen (Trustpilot, eKomi). Die Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellt keine Empfehlung dar. Stand: September 2026.</small></em>
Behandlung
Wie wird ein AV-Block behandelt?
Grad 1: Keine Therapie nötig
Der AV-Block Grad 1 braucht keine Behandlung – er wird dokumentiert und im Rahmen der Vorsorge kontrolliert. Wichtig ist nur: Falls Medikamente der Auslöser sind, wird die Dosis angepasst.
Grad 2: Ursache suchen, Verlauf beobachten
Beim Grad-2-Block steht die Ursachenbehandlung im Vordergrund: Medikamente anpassen, Borreliose behandeln, Elektrolyte korrigieren, Grunderkrankungen angehen. Verschwindet der Block nicht und der Hund hat Symptome – Ohnmacht, deutliche Schwäche –, wird wie beim Grad 3 der Schrittmacher erwogen.
Grad 3: Herzschrittmacher
Der komplette AV-Block mit Symptomen ist die klassische Schrittmacher-Indikation – die Mehrheit aller Herzschrittmacher bei Hunden wird wegen dieser Diagnose implantiert. Der Eingriff: Über die Halsvene wird eine Elektrode in die rechte Herzkammer vorgeschoben, der Schrittmacher kommt unter die Haut am Hals. Das Gerät übernimmt den Takt und garantiert einen ausreichend schnellen, regelmäßigen Herzschlag – die Ohnmachtsanfälle enden sofort.
Die Ergebnisse sind exzellent: Die meisten Hunde verlassen nach ein bis drei Tagen die Klinik und leben danach völlig normal weiter. Die Implantation ist einer der Routineeingriffe an kardiologischen Zentren.
Überbrückung bis zur Implantation
In der Akutphase – etwa bei einem zusammengebrochenen Hund – kann der Rhythmus medikamentös überbrückt werden (Infusionen, die das Kammern antreiben). Das ist eine Notfallmaßnahme über Stunden bis Tage, keine Dauerlösung. Dauerhafte Medikamententherapie beim kompletten AV-Block ist unzuverlässig und nur als Ultima Ratio gedacht, wenn eine Implantation unmöglich ist.
Begleitende Behandlung
Liegt zusätzlich eine Herzinsuffizienz vor, kommen Diuretika und Pimobendan dazu; bei entzündlichen Ursachen wird die Entzündung behandelt. Die Grunderkrankung entscheidet über die Langzeitprognose – der Schrittmacher löst das Rhythmusproblem, nicht eine etwaige Muskelerkrankung.
Pflege und Alltag
Leben mit einem AV-Block-Hund – Pflege und Alltag
Bis zur Diagnose und Therapie
Bei bekanntem höhergradigem AV-Block ohne Schrittmacher gilt konsequente Schonung: keine Belastungsspitzen – ruhige Leinenspaziergänge statt Ballspielen und Toben mit anderen Hunden. Aufregung minimieren: Manche Hunde fallen bei Futterfreude oder Besuch um – gestalte den Alltag dann ruhiger. Verwende ein Geschirr statt Halsband, denn Zug am Hals kann über Nervenreflexe das Herz zusätzlich bremsen. Dokumentiere jeden Anfall und miss regelmäßig den Ruhepuls.
Mit Herzschrittmacher
Nach der Implantation normalisiert sich der Alltag bemerkenswert schnell. Die Dauerregeln:
- Geschirr statt Halsband – bleibt, weil die Elektrode in der Halsvene liegt,
- Kontrolltermine wahrnehmen: anfangs nach wenigen Wochen, dann halb- bis jährlich – das Gerät wird ausgelesen, die Batterie geprüft,
- MRT-Untersuchungen sind tabu – starke Magnetfelder stören das Gerät; erwähne den Schrittmacher bei jedem Tierarztbesuch,
- Bewegung ist erwünscht: Nach der Heilungsphase (zwei bis drei Wochen Ruhe) darf dein Hund wieder toben, laufen und spielen – das ist der Sinn des Geräts.
Beobachtung zu Hause
Gewöhne dir an, wöchentlich den Puls zu fühlen (Hand an die linke Brustwand, 15 Sekunden zählen, mal vier). Ein Schrittmacher-Hund hat einen stabilen, gleichmäßigen Puls im Normalbereich – Abweichungen meldest du dem Kardiologen. Achte außerdem auf die Operationsnarbe: Schwellung, Rötung oder Nässen sind ein Fall für den Tierarzt.
Lebensqualität
Die allermeisten Schrittmacher-Hunde sind nach der Erholungsphase von ihren gesunden Artgenossen nicht zu unterscheiden. Sie wandern, spielen, schwimmen. Für dich als Halter bedeutet das: Die Angst vor dem nächsten Ohnmachtsanfall gehört der Vergangenheit an – und das ändert den Alltag genauso sehr wie für den Hund.
Verlauf und Prognose
Verlauf und Prognose beim AV-Block
Grad 1 und milder Grad 2
Die Prognose ist gut: Diese Formen bleiben oft jahrelang stabil, manche verschwinden mit der Behandlung der Grunderkrankung. Kontrollen zeigen, ob eine Progression stattfindet – bei einem Teil der Hunde nimmt der Blockgrad über Jahre zu.
Hochgradiger Grad 2 und Grad 3 ohne Behandlung
Hier ist die Prognose ernst: Ohne Schrittmacher leben Hunde mit symptomatischem komplettem AV-Block im Mittel nur Monate bis etwa ein Jahr. Die Gefahren: plötzliches Aussetzen des Ersatzrhythmus mit Herztod, zunehmende Herzinsuffizienz durch die dauerhafte Unterversorgung. Ohnmachtsanfälle bergen zusätzlich Verletzungsrisiken (Stürze, Verkehr).
Mit Herzschrittmacher
Die Implantation verändert die Prognose dramatisch: Studien zeigen, dass Hunde mit Schrittmacher deutlich länger leben – median mehrere Jahre, viele erreichen eine nahezu normale Lebenserwartung. Ist der Herzmuskel ansonsten gesund, ist das die Ausgangslage mit der besten Zukunft.
Was die Prognose beeinflusst
- Zustand des Herzmuskels: Gesunder Muskel plus Schrittmacher – ausgezeichnete Prognose. Liegt eine DCM oder schwere Klappenerkrankung vor, bestimmt diese den Verlauf,
- Ursache: Ein medikamenten- oder infektionsbedingter Block kann heilen; ein degenerativer bleibt, wird aber vom Schrittmacher kompensiert,
- Zeitpunkt der Implantation: Je früher nach Symptombeginn, desto weniger Folgeschäden am Herzen,
- Alter und Begleiterkrankungen: Nieren, Schilddrüse und Co. beeinflussen Narkoserisiko und Lebenserwartung.
Die Quintessenz: Der komplette AV-Block ist eine ernste Diagnose mit einer ungewöhnlich guten Lösung. Kaum eine Herzerkrankung lässt sich so vollständig „reparieren“ wie diese.
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Vorbeugung
Kann man einem AV-Block vorbeugen?
Der degenerativen Hauptform lässt sich nicht vorbeugen – sie gehört zum Alterungsprozess des Leitungsgewebes. Aber ein Teil der Ursachen ist vermeidbar, und die Früherkennung liegt in deiner Hand:
Vermeidbare Ursachen angehen
- Zeckenschutz konsequent betreiben: Borreliose kann in seltenen Fällen das Leitungssystem schädigen – guter Schutz und Kontrolle nach Zeckenbissen senken das Risiko,
- Zahngesundheit pflegen und Infektionen behandeln: Das schützt vor der Endokarditis, die den AV-Knoten mitzerstören kann,
- Medikamente kritisch prüfen: Bei Hunden, die Herzmittel bekommen, gehören regelmäßige EKG-Kontrollen dazu – ein medikamentenbedingter Block ist umkehrbar,
- Grunderkrankungen kontrollieren: Nierenwerte und Elektrolyte (besonders Kalium) bei älteren Hunden regelmäßig prüfen lassen.
Früherkennung – dein wichtigstes Werkzeug
Bei der jährlichen Vorsorge ab dem mittleren Alter sollte der Tierarzt Herz und Puls prüfen. Wer zu Hause gelegentlich den Ruhepuls fühlt, erkennt eine Verlangsamung früh – lange vor der ersten Ohnmacht. Ein auffälliger Befund gehört ins EKG, nicht auf die Beobachtungsliste.
Ohnmachtsanfälle ernst nehmen
Jede Synkope ist abklärungspflichtig. Hinter der Ohnmacht kann ein AV-Block stecken, aber auch das Sick-Sinus-Syndrom oder andere behandelbare Ursachen. Die Untersuchung ist immer günstiger als der Notfall – und der Schrittmacher wirkt am besten, bevor das Herz Folgeschäden davongetragen hat.
Kosten und Versicherung
Was kostet die Behandlung – und zahlt die Versicherung?
Typische Kosten
- Kardiologische Diagnostik (EKG, Langzeit-EKG, Herzultraschall, Blutbild): etwa 400 bis 800 Euro.
- Herzschrittmacher-Implantation inklusive Gerät und Klinikaufenthalt: etwa 3.000 bis 5.000 Euro.
- Schrittmacher-Kontrollen: etwa 100 bis 200 Euro jährlich bis halbjährlich.
- Batteriewechsel nach etwa sechs bis acht Jahren: etwa 1.500 bis 2.500 Euro.
- Ursachenbehandlung bei reversiblem Block: je nach Grunderkrankung.
Versicherung
Die Schrittmacher-Implantation ist ein Kernfall der Hunde-Krankenversicherung: Gute Tarife übernehmen Diagnostik, Implantation und Nachsorge – vorausgesetzt, die Erkrankung trat nach Vertragsbeginn und nach den Wartezeiten auf. Bei einem angeborenen AV-Block, der bereits vor Abschluss dokumentiert war, drohen Ausschlüsse. Wichtig auch: Reine OP-Tarife decken oft nur den Eingriff, nicht die vorgeschaltete Diagnostik – prüfe die Tarifdetails, bevor es drauf ankommt.
Lohnt sich das?
Der Schrittmacher beim AV-Block ist eines der besten „Schnäppchen“ der Veterinärmedizin, gemessen am Ergebnis: einmalig 3.000 bis 5.000 Euro für sofortige Symptomfreiheit und oft viele zusätzliche Lebensjahre. Die Alternative ohne Implantation – Ohnmachtsanfälle, Notfälle, verkürzte Lebenszeit – kostet über die Monate nicht viel weniger und liefert kein vergleichbares Ergebnis. Viele Kliniken bieten Ratenzahlung an; frag aktiv danach, wenn keine Versicherung besteht.
Häufige Fragen
Häufige Fragen zum AV-Block beim Hund
Wie erkenne ich einen AV-Block bei meinem Hund?
Das deutlichste Zeichen ist ein sehr langsamer Puls – unter 50 bis 60 Schlägen pro Minute in Ruhe. Dazu kommen Trägheit, geringe Belastbarkeit und bei höheren Graden Ohnmachtsanfälle. Gesichert wird die Diagnose nur per EKG, oft ergänzt durch ein 24-Stunden-Langzeit-EKG.
Ist ein AV-Block Grad 1 gefährlich?
Nein – Grad 1 ist meist ein harmloser Zufallsbefund ohne Symptome und braucht keine Behandlung, nur Kontrollen. Erst ab hochgradigem Grad 2 und Grad 3 mit Symptomen wird ein Herzschrittmacher nötig.
Kann ein AV-Block beim Hund von allein verschwinden?
Das kommt auf die Ursache an: Medikamenten- oder entzündungsbedingte Blöcke können sich zurückbilden, wenn die Ursache behoben wird. Der altersbedingte degenerative Block bleibt bestehen – er wird aber mit dem Schrittmacher vollständig kompensiert.
Wie lange lebt ein Hund mit komplettem AV-Block?
Ohne Schrittmacher oft nur Monate bis etwa ein Jahr, mit dem Risiko des plötzlichen Herztods. Mit Herzschrittmacher leben die meisten Hunde viele Jahre weiter – bei gesundem Herzmuskel nahezu normal. Der Eingriff verändert die Prognose dramatisch.
Was kostet ein Herzschrittmacher für den Hund?
Etwa 3.000 bis 5.000 Euro für die Implantation inklusive Gerät und Klinik, dazu Diagnostik und jährliche Kontrollen. Eine rechtzeitig abgeschlossene Hunde-Krankenversicherung übernimmt diese Kosten in der Regel. Viele Kliniken bieten außerdem Ratenzahlung an.
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