Tierarztkosten Hund: Hund wird beim Tierarzt untersucht

Akute idiopathische Polyradikuloneuritis beim Hund: Symptome, Verlauf und Prognose

Dein Hund war gestern noch fit – und heute knicken ihm die Hinterbeine weg, morgen auch die Vorderbeine, und binnen Tagen kann er kaum noch stehen? Kein Fieber, keine Verletzung, kein Schmerz – nur eine rasch aufsteigende, schlaffe Schwäche? Dann könnte eine akute idiopathische Polyradikuloneuritis dahinterstecken: eine immunvermittelte Entzündung der Nervenwurzeln.

Die Erkrankung – bekannt auch als „Coonhound Paralysis“, weil sie bei amerikanischen Jagdhunden nach Kontakt mit Waschbären beschrieben wurde – gehört zu den dramatischsten Bildern der Neurologie: Innerhalb von Tagen entwickelt sich eine aufsteigende Lähmung aller vier Beine.

Und doch ist sie eine der hoffnungsvollsten: Mit konsequenter Pflege und Physiotherapie erholen sich die allermeisten Hunde vollständig – ohne Medikamente gegen die Ursache, einfach weil die Nerven sich regenerieren. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Zeichen typisch sind, wie die Diagnose gestellt wird und wie du deinen Hund durch die Genesung trägst.

Das Wichtigste in Kürze

Akute idiopathische Polyradikuloneuritis beim Hund – das Wichtigste in Kürze

  • Was ist das? Eine akute, immunvermittelte Entzündung der Nervenwurzeln und peripheren Nerven – aufsteigende schlaffe Lähmung ohne Schmerz und ohne Fieber.
  • Typische Zeichen: Innerhalb von Stunden bis Tagen aufsteigende Schwäche – beginnt an der Hinterhand, greift auf die Vorderbeine über, bis zur Unfähigkeit zu stehen; Bellen und Schlucken können schwach werden; Schmerzempfinden bleibt erhalten.
  • Diagnose: Klinisches Bild plus Ausschluss anderer Ursachen; Liquor und elektrische Nervenmessung stützen die Diagnose.
  • Behandlung: Keine ursächliche Therapie nötig – unterstützende Pflege, Physiotherapie, Vermeidung von Folgeschäden; schwere Fälle brauchen stationäre Versorgung.
  • Prognose: Gut – die Mehrheit der Hunde erholt sich in drei bis acht Wochen weitgehend bis vollständig; bei Atemlähmung ist die Prognose ernst.
  • Kosten: 300 bis 2.000 Euro je nach Schwere und Klinikdauer – eine Hundeversicherung übernimmt die Behandlung bei bestehendem Schutz.

Wann zum Tierarzt?

Wann solltest du mit deinem Hund zum Tierarzt?

Sofort zum Tierarzt – bei diesen Zeichen:

  • Schnell aufsteigende Schwäche: Die Hinterhand wird wackelig und knickt ein, binnen Stunden oder Tagen sind auch die Vorderbeine betroffen,
  • Der Hund kann nicht mehr aufstehen oder bricht beim Versuch zusammen,
  • Schlaffe Lähmung: Die Beine geben nach, die Reflexe sind abgeschwächt – ohne dass der Hund Schmerzen zeigt,
  • Verändertes, schwaches Bellen oder heiseres Winseln,
  • Schluckbeschwerden, Speicheln, Futter fällt aus dem Maul.

Notfall – bei diesen Zeichen:

  • Atemnot: Schnelle, flache, mühsame Atmung – Zeichen, dass die Atemmuskulatur betroffen ist; das ist die gefürchtete Komplikation und ein Fall für die Intensivstation,
  • Bläuliche Schleimhäute,
  • Der Hund kann weder schlucken noch trinken – Austrocknung und Verschlucken drohen,
  • Vollständige Lähmung aller vier Beine binnen 24 Stunden.

Was du bis zum Termin tun kannst

  • Transport mit Tragehilfe: Der Hund kann sich nicht selbst in Sicherheit bringen – große Hunde auf eine Decke legen und zu zweit tragen,
  • Weiche, ebene Unterlage, keine Treppen,
  • Nichts aufzwingen zu fressen oder zu trinken bei Schluckbeschwerden – Verschlucken droht,
  • Zeitverlauf notieren: Wann begann die Schwäche, wie schnell breitete sie sich aus – das hilft der Diagnostik.

Tierarzt in deiner Nähe finden

🐾 Tierarzt in deiner Nähe finden

👆 Gib deine PLZ oder Stadt ein – dann zeigen wir dir die nächsten Tierärzte.

Was ist diese Krankheit?

Was ist eine akute idiopathische Polyradikuloneuritis?

Die akute idiopathische Polyradikuloneuritis (AIP) ist eine immunvermittelte Entzündung der Nervenwurzeln – der Stellen, an denen die Nerven das Rückenmark verlassen – und der peripheren Nerven. Das Immunsystem greift die isolierende Hülle (Myelin) dieser Nerven an; die Signalübertragung zu den Muskeln bricht zusammen. Das Ergebnis ist eine schlaffe, aufsteigende Lähmung: Die Muskeln sind gesund, aber die Befehle kommen nicht mehr an.

Das Krankheitsbild

Charakteristisch ist das Muster: Die Schwäche beginnt an der Hinterhand und steigt binnen Stunden bis weniger Tage auf Vorderbeine, Gesichts- und Schlucknerven auf – im schlimmsten Fall auch auf die Atemmuskulatur. Entscheidend: Das Schmerzempfinden bleibt erhalten, der Hund ist bei klarem Bewusstsein, hat kein Fieber und wirkt – abgesehen von der Lähmung – wohl. Diese Kombination aus dramatischer Lähmung und fehlendem Allgemeinbefinden ist für die Erkrankung bezeichnend.

Herkunft und Name

Bekannt wurde die Erkrankung in Nordamerika als „Coonhound Paralysis“: Jagdhunde erkrankten etwa eine Woche nach Kontakt oder Biss eines Waschbären – ein Speichelbestandteil löste offenbar die Immunreaktion aus. In Europa, wo es keine Waschbär-Krankheitsbrücke in dieser Form gibt, tritt die Erkrankung meist ohne erkennbaren Auslöser auf – daher „idiopathisch“. Vermutet werden auch hier immunologische Fehlsteuerungen nach Infekten oder anderen Reizen. Das menschliche Gegenstück ist das Guillain-Barré-Syndrom.

Abgrenzung zu anderen Lähmungsursachen

Eine akute Lähmung kann auch durch einen Bandscheibenvorfall, eine fibrokartilaginöse Embolie (FCE), einen Zeckenparalyse-Erreger oder Vergiftungen (Botulismus) entstehen. Die Unterschiede: Bandscheibenvorfall und FCE kommen mit Schmerz oder asymmetrischem Muster und die Reflexe bleiben oft erhalten oder sind gesteigert – bei der Polyradikuloneuritis sind die Reflexe abgeschwächt oder aufgehoben und die Schwäche symmetrisch aufsteigend.

Symptome

Welche Symptome zeigt ein Hund mit Polyradikuloneuritis?

Das klassische Muster: aufsteigend, symmetrisch, schlaff

  • Beginn an der Hinterhand: Wackeliger Gang, Einknicken, unsicheres Aufstehen – wie bei Erschöpfung,
  • Rasche Ausbreitung: Binnen ein bis fünf Tagen sind auch die Vorderbeine betroffen; der Hund kann nicht mehr stehen oder gehen,
  • Schlaffe Lähmung: Die Muskeln sind weich und spannungslos, die Reflexe abgeschwächt oder aufgehoben,
  • Erhaltenes Schmerzempfinden: Der Hund spürt Berührungen und Ziehen an den Pfoten – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zum Rückenmarksschaden.

Begleitzeichen

  • Schwaches oder verändertes Bellen – die Stimmbandnerven sind betroffen,
  • Schluckbeschwerden: Speicheln, schweres Fressen, Futter fällt aus dem Maul,
  • Schlaffe Gesichtsmuskulatur: Hängende Lefzen, müder Gesichtsausdruck,
  • Erhaltene Blasen- und Darmfunktion in den meisten Fällen – ein wichtiger Unterschied zu Rückenmarksverletzungen.

Der Allgemeinzustand

Typisch: Der Hund ist wach, aufmerksam, hat Appetit und wedelt mit der Rute – er kann sich nur nicht bewegen. Fieber fehlt in der Regel. Diese Diskrepanz zwischen dramatischer Lähmung und gutem Allgemeinbefinden ist ein starker diagnostischer Hinweis.

Die gefährlichste Komplikation

Bei einem kleinen Teil der Hunde steigt die Lähmung auf die Atemmuskulatur über: flache, schnelle, mühsame Atmung, später Atemlähmung. Diese Hunde brauchen intensivmedizinische Beatmung – deshalb gehören schwere Fälle in eine Klinik mit Beatmungsmöglichkeit.

Tierarzt in deiner Nähe finden

🐾 Tierarzt in deiner Nähe finden

👆 Gib deine PLZ oder Stadt ein – dann zeigen wir dir die nächsten Tierärzte.

Ursachen und Risikofaktoren

Ursachen und Risikofaktoren der Polyradikuloneuritis

Immunvermittelter Angriff auf das Myelin

Die Ursache ist eine Fehlsteuerung des Immunsystems: Etwa ein bis zwei Wochen nach einem Auslöser bildet es Antikörper und Entzündungszellen, die die Myelinscheiden der Nervenwurzeln angreifen. Die Isolation schmilzt, die Reizleitung stoppt – die Lähmung entsteht. Sobald die Immunreaktion abklingt, regeneriert das Myelin – das erklärt die gute Erholungsfähigkeit.

Bekannte und vermutete Auslöser

  • Waschbär-Kontakt: In Nordamerika der klassische Auslöser – ein Protein im Waschbärspeichel löst die Immunreaktion aus („Coonhound Paralysis“),
  • Infekte: Vorangegangene virale oder bakterielle Infektionen werden als Trigger vermutet – ähnlich wie beim menschlichen Guillain-Barré-Syndrom,
  • Impfungen wurden in Einzelfällen zeitlich vor Ausbruch berichtet – ein sicherer Zusammenhang ist nicht belegt,
  • In den meisten europäischen Fällen kein erkennbarer Auslöser – daher „idiopathisch“.

Risikofaktoren

  • Keine gesicherte Rasse- oder Geschlechtsprädisposition,
  • Hunde jeden Alters können erkranken,
  • Jagd- und Freilaufhunde in Endemiegebieten (Nordamerika) tragen das Waschbär-Risiko.

Wichtige Differenzialdiagnosen

  • Zeckenparalyse: In manchen Regionen löst ein Zeckentoxin eine ähnliche aufsteigende Lähmung aus – sorgfältige Zeckensuche gehört zur Diagnostik; Entfernung der Zecke beendet die Lähmung,
  • Botulismus: Vergiftung durch verdorbenes Futter – ähnliches Bild, aber oft mit Magen-Darm-Zeichen zu Beginn,
  • Bandscheibenvorfall, FCE, Rückenmarksverletzungen: Schmerz, Asymmetrie und erhaltene oder gesteigerte Reflexe unterscheiden sie von der Polyradikuloneuritis.

Diagnose

Wie wird die Polyradikuloneuritis diagnostiziert?

Klinisches Bild – der stärkste Hinweis

Die Diagnose stützt sich auf das typische Muster: akut aufsteigende, symmetrische, schlaffe Lähmung mit abgeschwächten Reflexen, erhaltenem Schmerzempfinden, klarem Bewusstsein und gutem Allgemeinbefinden – ohne Fieber. Die neurologische Untersuchung dokumentiert Reflexstatus, Muskeltonus und den Verlauf der Ausbreitung.

Ausschluss anderer Ursachen

  • Sorgfältige Zeckensuche am ganzen Körper,
  • Blutuntersuchung: Allgemeinstatus, Infektions- und Entzündungsparameter, je nach Anamnese Erregertests,
  • Bildgebung der Wirbelsäule (Röntgen, gegebenenfalls MRT) zum Ausschluss von Bandscheibenvorfall, FCE oder Verletzung,
  • Anamnese: Verdorbenes Futter (Botulismus), Reisen, Waschbär-Kontakt, Impfungen.

Stützende Untersuchungen

  • Liquor-Analyse: Zeigt oft erhöhtes Eiweiß bei normaler Zellzahl – ein passender, wenn auch nicht beweisender Befund,
  • Elektrophysiologie: Nervenleitgeschwindigkeit und Muskelmessungen zeigen die verlangsamte Leitung – in spezialisierten Kliniken verfügbar und für die Diagnosesicherung wertvoll.

Verlauf als Diagnosebestätigung

Weil es keinen einzelnen Beweistest gibt, bestätigt der typische Verlauf die Diagnose: Plateau der Lähmung nach wenigen Tagen, dann schrittweise Besserung über Wochen. Verschlechtert sich der Hund über das erwartete Fenster hinaus oder entwickelt er untypische Zeichen, wird die Diagnostik wieder geöffnet.

Hundeversicherungen im Vergleich

  • Lassie

    ⭐ 4.5 / 5 auf Trustpilot

    Selbstbeteiligung: 0 %, 20 % oder 40 % wählbar

    ✓ Behandlung bei jedem Tierarzt

    Preis: ab 6 €/Monat

  • dalma.

    ⭐ 4.5 / 5 auf Trustpilot

    Selbstbeteiligung: Erstattung 60–100 % wählbar

    ✓ Behandlung bei jedem Tierarzt

    Preis: ab 7,99 €/Monat

  • Uelzener

    ⭐ 4 / 5 auf Trustpilot

    Selbstbeteiligung: 0 €, 250 €, 500 € oder 1.000 € wählbar

    ✓ Behandlung bei jedem Tierarzt

    Preis: individuell

<em><small>Alle Angaben ohne Gewähr. Maßgeblich sind die jeweiligen Versicherungsbedingungen. Pawmio bietet keine Versicherungsberatung an.</small></em>

<em><small>*Alle Angaben basieren auf öffentlich zugänglichen Informationen der Anbieter sowie auf Kundenbewertungen (Trustpilot, eKomi). Die Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellt keine Empfehlung dar. Stand: September 2026.</small></em>

Behandlung

Wie wird die Polyradikuloneuritis behandelt?

Kein Medikament gegen die Ursache – Pflege ist die Therapie

Es gibt keine nachweislich wirksame ursächliche Behandlung: Weder Kortison noch andere Immunsuppressiva verändern den Verlauf zuverlässig, und sie können Nebenwirkungen haben. Die Erkrankung heilt durch die eigene Regeneration der Nervenhüllen – die Aufgabe von Klinik und Haltern ist, den Hund sicher durch diese Zeit zu bringen.

Unterstützende Intensivpflege

  • Lagerung: Weich gepolsterte Unterlage, mehrmals täglich umlagern – ein gelähmter Hund entwickelt sonst binnen Tagen Druckgeschwüre,
  • Ernährung und Flüssigkeit: Bei Schluckbeschwerden angepasste Konsistenzen, aufrechte Fütterung, notfalls Sonde oder Infusion,
  • Blasenmanagement: Kontrolle, ob die Blase entleert wird; bei Bedarf Unterstützung,
  • Atemüberwachung: Bei zunehmender Schwäche Kontrolle der Atemfrequenz und -qualität – bei Atembeteiligung intensivmedizinische Beatmung.

Physiotherapie – der Motor der Genesung

  • Von Anfang an: Passive Bewegungsübungen aller Gelenke mehrmals täglich, um Versteifungen und Muskelschwund zu bremsen,
  • Sobald Kraft zurückkehrt: Unterstütztes Stehen und Gehen – mit Geschirr, Gurtsystem oder Unterwasserlaufband; der Wasserauftrieb erlaubt Bewegung, bevor die Beine tragen,
  • Massage und Wärme fördern Durchblutung und Wohlbefinden,
  • Fortschritte feiern: Der Weg von „kann nicht stehen“ zu „steht mit Hilfe“ zu „läuft wackelig“ vollzieht sich über Wochen – Physiotherapie verkürzt ihn nachweislich.

Dauer der Behandlung

Die stationäre Phase dauert je nach Schwere Tage bis zwei Wochen; die Erholung zu Hause drei bis acht Wochen, in schweren Fällen länger. Die volle Kraft kann mehrere Monate brauchen.

Pflege und Alltag

Leben und Alltag mit einem Hund mit Polyradikuloneuritis

Während der Lähmungsphase

  • Umlagern alle vier bis sechs Stunden – auch nachts; Druckstellen an Hüfte und Ellenbogen täglich kontrollieren,
  • Sauber und trocken halten: Ein liegender Hund benetzt sich – saugfähige Unterlagen, Fellpflege, Hautschutz,
  • Füttern in aufrechter Position, Napf und Wasser an den Hund bringen,
  • Tragen und Lagern: Große Hunde zu zweit mit Trage-Tuch bewegen; kleine Hunde mit gestütztem Brustkorb.

Während der Erholung

  • Tägliches Übungsprogramm: Die vom Physiotherapeuten gezeigten Übungen mehrmals täglich wiederholen – Konstanz schlägt Intensität,
  • Rutschfeste Böden: Wackelige Beine brauchen Grip – Teppiche und Matten auf glatten Wegen,
  • Kurze, häufige Spaziergänge mit Geh-Hilfe (Gurt unter dem Bauch), Pausen vor dem Zusammenbrechen,
  • Keine Treppen ohne Sicherung, keine Möbelsprünge.

Psychische Betreuung nicht vergessen

Der Hund ist bei klarem Verstand und kann frustriert oder ängstlich sein: Nähe, ruhige Beschäftigung im Liegen (Kauartikel, Suchspiele am Platz), gewohnte Routinen und viel Zuwendung halten die Stimmung stabil. Viele Hunde zeigen eine beeindruckende Geduld – sie brauchen deine genauso.

Kontrolle

  • Atmung beobachten – bei schneller, flacher oder mühsamer Atmung sofort Klinik,
  • wöchentliche Fortschrittsnotizen: Stehen, Schritte, Toilettenkontrolle,
  • Physiotherapie- und Kontrolltermine einhalten.

Verlauf und Prognose

Verlauf und Prognose der Polyradikuloneuritis

Der typische Verlauf

Die Erkrankung hat drei Phasen:

  • Aufsteigende Phase (ein bis fünf Tage): Die Schwäche breitet sich von hinten nach vorn aus, dann stoppt sie,
  • Plateau (Tage bis zwei Wochen): Der Zustand bleibt stabil – die Immunreaktion klingt ab,
  • Erholungsphase (drei bis acht Wochen): Das Myelin regeneriert, die Kraft kehrt zurück – zuerst Stehen mit Hilfe, dann wackelige Schritte, dann sicheres Gehen.

Prognose

Die Prognose ist gut: Die große Mehrheit der Hunde ohne Atembeteiligung erholt sich vollständig oder nahezu vollständig. Leichte Restunsicherheiten oder eine Neigung zum schnelleren Ermüden können monatelang bleiben, stören aber den Alltag nicht. Die Lebenserwartung ist nach Ausheilung normal.

Was die Prognose beeinflusst

  • Atembeteiligung: Hunde, die beatmet werden müssen, haben eine ernstere Prognose – aber auch unter Beatmung sind vollständige Genesungen beschrieben,
  • Qualität der Pflege: Druckgeschwüre, Lungenentzündung durch Liegen und Blasenprobleme sind vermeidbare Komplikationen, die den Verlauf verschlechtern,
  • Physiotherapie: Konsequentes Training beschleunigt die Rückkehr der Funktion und verhindert Muskelschwund,
  • Schwere des Plateaus: Hunde, die auf dem Tiefpunkt noch etwas Muskelspannung zeigen, erholen sich tendenziell schneller.

Rückfälle

Ein erneutes Auftreten ist selten, aber beschrieben – meist Monate oder Jahre später und meist ebenfalls gut beherrschbar. Insgesamt gehört die Polyradikuloneuritis zu den dramatischsten, aber dankbarsten Erkrankungen der Neurologie: Geduld und Pflege werden fast immer mit einem wieder laufenden Hund belohnt.

Tierarzt in deiner Nähe finden

🐾 Tierarzt in deiner Nähe finden

👆 Gib deine PLZ oder Stadt ein – dann zeigen wir dir die nächsten Tierärzte.

Vorbeugung

Kann man der Polyradikuloneuritis vorbeugen?

Keine gezielte Prävention möglich

Da der Auslöser in den meisten Fällen unbekannt bleibt, gibt es keine echte Vorbeugung. Sinnvoll sind:

  • Zeckenschutz konsequent anwenden: Die zeckenübertragene Paralyse sieht ähnlich aus und ist vermeidbar – regelmäßiger Schutz und Körperkontrolle nach Ausflügen,
  • Kein verdorbenes Futter: Botulismus durch verdorbene Reste oder Aas verhindern – Futter frisch halten, am Spaziergang auf Fressen vom Boden achten,
  • In Waschbär-Regionen: Kontakt mit Waschbären und deren Speichel vermeiden – Hunde nicht unbeaufsichtigt jagen lassen.

Früherkennung rettet Funktion

Das Wichtigste ist Geschwindigkeit: Eine aufsteigende schlaffe Schwäche ohne Schmerz gehört sofort in die Klinik – nicht abwarten, ob es von selbst weggeht. Je früher die unterstützende Versorgung beginnt, desto geringer die Komplikationen. Und wer den Verlauf kennt, gerät beim dramatischen Bild nicht in Panik: Diese Erkrankung sieht schlimmer aus, als ihre Prognose ist.

Kosten und Versicherung

Kosten und Versicherung bei Polyradikuloneuritis

Mit welchen Kosten musst du rechnen?

  • Diagnostik: Neurologische Untersuchung, Blutbild und Bildgebung 300 bis 1.000 Euro, je nach Umfang,
  • Stationäre Versorgung: Pflege des gelähmten Hundes 100 bis 250 Euro pro Tag – bei ein bis zwei Wochen also 700 bis 3.500 Euro in schweren Fällen,
  • Beatmung (selten nötig): Intensivmedizin 500 bis 1.500 Euro pro Tag,
  • Physiotherapie in der Erholung: 40 bis 80 Euro pro Sitzung, über Wochen,
  • Unkomplizierte Fälle zu Hause: 300 bis 800 Euro gesamt.

Was übernimmt die Versicherung?

  • Krankenversicherung für Hunde: Übernimmt Diagnostik, Klinikaufenthalt und Physiotherapie im Rahmen des Tarifs – achte auf die Leistungshöhe für stationäre Behandlung und Nachsorge,
  • da die Erkrankung plötzlich und ohne Vorzeichen kommt, ist der Vertragsbeginn vor dem Ereignis entscheidend,
  • Physiotherapie-Leistungen unterscheiden sich zwischen den Tarifen deutlich – ein Vergleich lohnt.

Auf PAWMIO Hundeversicherung vergleichst du Tarife mit stationären Leistungen und Physiotherapie – inklusive Preisen für deine Rasse.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zur Polyradikuloneuritis beim Hund

Woran erkenne ich eine Polyradikuloneuritis?

Am typischen Muster: Innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen entwickelt sich eine aufsteigende, schlaffe Schwäche – beginnt an der Hinterhand, greift auf die Vorderbeine über. Der Hund ist dabei wach, schmerzfrei, hat Appetit und oft gut gelaunt – er kann sich nur nicht mehr bewegen.

Kann sich mein Hund wieder vollständig erholen?

Ja – die Prognose ist gut. Die große Mehrheit der Hunde erholt sich in drei bis acht Wochen vollständig oder nahezu vollständig, weil die angegriffenen Nervenhüllen regenerieren. Entscheidend sind gute Pflege, konsequente Physiotherapie und die Vermeidung von Komplikationen wie Druckgeschwüren.

Gibt es eine Behandlung gegen die Ursache?

Nein – es gibt kein Medikament, das den Verlauf nachweislich verkürzt. Die Therapie besteht aus intensiver unterstützender Pflege und Physiotherapie, während die Nervenhüllen von selbst heilen. Bei Beteiligung der Atemmuskulatur ist intensivmedizinische Beatmung nötig.

Ist die Erkrankung gefährlich?

Sie sieht dramatisch aus, ist aber meist nicht lebensgefährlich. Gefährlich wird es nur, wenn die Lähmung die Atemmuskulatur erreicht – flache, mühsame Atmung ist ein Notfall und gehört auf die Intensivstation. Auch Schluckbeschwerden erfordern angepasste Fütterung.

Kann die Polyradikuloneuritis wiederkommen?

Rückfälle sind selten, aber beschrieben – meist Monate oder Jahre später. Auch ein zweites Ereignis hat in der Regel eine gute Prognose und heilt mit der gleichen konsequenten Pflege und Physiotherapie aus.

Ratgeber

Weitere Hunderassen entdecken

Nach oben