Schuppen

Das Wichtigste in Kürze

Schuppen können bei trockener oder entzündeter Haut auftreten. Juckreiz, Rötung und Fellverlust sprechen für Abklärungsbedarf.

Wann zum Tierarzt?

🔴 Sofort in die Tierklinik oder zum Notdienst: Bei zusätzlicher Atemnot oder Kollaps sofort Hilfe holen.

🟠 Heute noch tierärztlich abklären: Anhaltende Schuppen oder Begleitbeschwerden tierärztlich abklären lassen.

🟢 Beobachten: Wenige vorübergehende Schuppen bei sonst unauffälliger Haut kurz beobachten. Bei Fortbestehen Termin vereinbaren.

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Weiße Flocken auf dem dunklen Fell, auf der Decke oder dem Sofa: Wenn dein Hund Schuppen hat, ist das mehr als ein Schönheitsfehler. Schuppen beim Hund zeigen, dass die Haut sich zu schnell oder fehlerhaft erneuert. Dahinter können Parasiten, Allergien, Hormonstörungen oder seltene, erbliche Hauterkrankungen stecken. Manchmal ist die Haut zusätzlich fettig, gerötet oder riecht unangenehm. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Ursachen infrage kommen, worauf du achten solltest und wie der Tierarzt die Schuppen abklärt.

Was steckt hinter Schuppen beim Hund?

Tierärzte unterscheiden zwischen primären und sekundären Verhornungsstörungen. Laut MSD Veterinary Manual haben die meisten Hunde mit Seborrhoe eine sekundäre Form. Die Schuppen sind dann ein Zeichen einer anderen Erkrankung.

Raubmilben: die „wandernden Schuppen“

Die Cheyletiellose wird durch Milben der Gattung Cheyletiella verursacht. Typisch sind Schuppen vor allem entlang des Rückens. Oft juckt es stark, manche Hunde kratzen sich aber gar nicht. Die Milben sind sehr ansteckend, besonders in Zwingern und Haushalten mit mehreren Tieren. Ihr gesamter Lebenszyklus dauert etwa drei Wochen und läuft auf dem Tier ab. In der Umgebung überleben sie bis zu zehn Tage. Auch Menschen können befallen werden.

Sekundäre Seborrhoe durch Allergien oder Hormone

Die häufigsten Grunderkrankungen hinter einer Seborrhoe sind Hormonstörungen und Allergien. Beginnen die Hautprobleme vor dem fünften Lebensjahr, ist eine Allergie wahrscheinlicher. Bei Hunden im mittleren oder höheren Alter stecken eher Hormonstörungen dahinter. Auch Flöhe, Krätzmilben, Futter, Jahreszeit und Umgebung spielen eine Rolle.

Primäre Seborrhoe

Die primäre Seborrhoe ist erblich. Sie beginnt meist vor einem Alter von 18 bis 24 Monaten und bleibt lebenslang bestehen. Die Diagnose stellt der Tierarzt erst, wenn alle anderen Ursachen ausgeschlossen sind. Häufiger betroffen sind unter anderem Cocker Spaniel, English Springer Spaniel, Basset, West Highland White Terrier, Dackel, Labrador und Golden Retriever sowie Deutsche Schäferhunde.

Talgdrüsenentzündung (Sebadenitis)

Bei der Sebadenitis greift das Immunsystem die Talgdrüsen an. Die Erkrankung ist selten. Typisch sind Schuppen, die Haare miteinander verkleben, und Haarausfall. Oft beginnt sie an Ohren, Stirn, Gesicht, Rute und Rücken. Bei langhaarigen Hunden verändert sich das Fell, es wird trocken, brüchig oder glatt statt lockig. Veranlagt sind zum Beispiel Akita, Havaneser, Lhasa Apso, Samojede, Springer Spaniel, Großpudel und Vizsla.

Ichthyose

Die Ichthyose ist eine Gruppe erblicher Verhornungsstörungen. Beim Golden Retriever sind die Schuppen meist leicht bis mittelgradig und betreffen vor allem den Rumpf. Sie sind anfangs weißlich und werden später grau bis schwarz. Erste Anzeichen können schon im Alter von drei bis sechs Wochen auftreten, bei anderen Hunden erst nach Monaten oder Jahren.

Warnzeichen: Wann du nicht warten solltest

Schuppen allein sind kein Notfall. Zeitnah zum Tierarzt solltest du aber, wenn:

  • dein Hund sich stark kratzt oder beißt und die Haut offen ist,
  • Krusten, Pusteln, kahle Stellen oder ein unangenehmer Geruch dazukommen,
  • die Haut dunkler oder dicker wird,
  • auch du oder andere Tiere im Haushalt plötzlich Juckreiz haben,
  • dein Hund zusätzlich krank wirkt oder sich sein Fell stark verändert, besonders im mittleren oder höheren Alter.

Gerade bei älteren Hunden kann eine Hormonstörung dahinterstecken. Für eine erste Einordnung kannst du den Symptom-Checker nutzen.

Was du zu Hause tun kannst – und was nicht

Sinnvoll

  • Regelmäßig bürsten: So erkennst du, ob die Schuppen zunehmen oder sich bewegen. „Wandernde“ Schuppen sprechen für Milben.
  • Auf Flöhe prüfen: Kämme mit einem feinen Flohkamm und lege das Ausgekämmte auf ein feuchtes Tuch. Rötliche Flecken deuten auf Flohkot hin.
  • Liegeplätze reinigen: Bei Verdacht auf Milben oder Flöhe Decken waschen und regelmäßig saugen.
  • Andere Tiere im Blick behalten: Auch Tiere ohne Beschwerden können Milben tragen und weitergeben.

Lieber nicht

  • Kein Shampoo für Menschen ohne Rücksprache mit dem Tierarzt.
  • Nicht auf Verdacht immer häufiger baden. Häufiges Waschen kann Milben sogar schwerer nachweisbar machen.
  • Keine Öle oder Hausmittel ohne Diagnose, wenn die Haut entzündet ist.
  • Keine Mittel gegen Parasiten einsetzen, die für eine andere Tierart bestimmt sind. Frag vorher deinen Tierarzt.

So untersucht der Tierarzt die Schuppen

Der Tierarzt untersucht deinen Hund gründlich, auch die inneren Organe. An der Haut dokumentiert er Schuppen, Haarausfall, Geruch, Fettigkeit und Entzündungen. Mögliche weitere Schritte sind:

  • Hautgeschabsel und mikroskopische Untersuchung von Haut- und Haarproben, etwa auf Milben,
  • Flohkamm-Test,
  • Pilz- und Bakterienkulturen,
  • Blut- und Urinuntersuchungen, etwa auf Hormonstörungen,
  • eine Hautbiopsie. Bei der Sebadenitis sichert sie die Diagnose.

Für die Ichthyose beim Golden Retriever gibt es Gentests. Behandelt werden Infektionen gezielt, bakterielle Hautinfektionen laut MSD Veterinary Manual typischerweise drei bis vier Wochen lang. Medizinische Shampoos helfen, die Schuppen zu kontrollieren. Manche schuppenlösende Shampoos verstärken die Schuppung in den ersten 14 Tagen. Das ist kein Grund, die Behandlung abzubrechen.

Was kostet die Abklärung von Schuppen?

Die Kosten richten sich nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), abgerechnet im ein- bis dreifachen Satz. Die Werte sind der einfache Satz, netto ohne 19 % Mehrwertsteuer:

Leistung (GOT-Nr.) Einfacher Satz netto
Allgemeine Untersuchung mit Beratung (Nr. 16) 23,62 €
Blutprobenentnahme venös (Nr. 627) 10,26 €
Großes Blutbild maschinell (Nr. 618) 23,52 €
Blutchemie, mehr als 3 Parameter, je Parameter (Nr. 611) 6,16 €

Beispiel: Untersuchung, Blutentnahme und großes Blutbild kosten im einfachen Satz 57,40 € netto, also 68,31 € brutto. Jeder weitere Blutwert kommt hinzu. Hautgeschabsel, Kulturen oder eine Biopsie werden zusätzlich berechnet. Mehr dazu findest du unter Blutbild beim Hund: Kosten.

Vorbeugen

Erbliche Formen lassen sich nicht verhindern. Vor dem Welpenkauf lohnt es sich aber, bei veranlagten Rassen nach Gesundheits- und Gentests der Elterntiere zu fragen. Gegen Parasiten hilft ein konsequenter Schutz. In Haushalten mit mehreren Tieren sollten bei Milbenbefall alle Tiere und die Umgebung behandelt werden, einschließlich Decken und Teppichen.

Häufige Fragen zu Schuppen beim Hund

Kann ich mich bei meinem Hund anstecken?

Bei Cheyletiella-Milben ja. Sie gehen leicht vom Tier auf den Menschen über. Hast du juckende Hautstellen, sprich auch mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt.

Liegt es am Futter?

Das Futter kann eine Rolle spielen, ist aber selten die alleinige Ursache. Lass zuerst Parasiten, Allergien und Hormonstörungen abklären.

Warum hat mein Welpe Schuppen?

Bei jungen Hunden kommen Milben, aber auch erbliche Verhornungsstörungen wie Ichthyose oder primäre Seborrhoe infrage. Lass das untersuchen.

Ist Seborrhoe heilbar?

Die sekundäre Form bessert sich, wenn die Grunderkrankung behandelt wird. Die primäre Seborrhoe und die Sebadenitis brauchen meist eine lebenslange Pflege.

Quellen

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Kosten im Notdienst

Muss dein Tier außerhalb der Sprechzeiten behandelt werden, berechnen Tierärzte im Notdienst (werktags 18 bis 8 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen) nach der Gebührenordnung (GOT) mindestens den 2-fachen Satz, dazu kommt eine Notdienstgebühr von 50 € zuzüglich Mehrwertsteuer (Quelle: HanseMerkur – GOT). Mehr dazu im Ratgeber Tierarzt-Notdienst Kosten. Ob eine Versicherung die Kosten übernimmt, hängt vom Tarif ab – einen neutralen Überblick findest du im Tierkrankenversicherung Vergleich.

Ratgeber

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