Atemnot

Das Wichtigste in Kürze

Angestrengtes Atmen ist ein Notfall. Es darf nicht als gewöhnliches Hecheln abgetan werden.

Wann zum Tierarzt?

🔴 Sofort in die Tierklinik oder zum Notdienst: Sofort zum tierärztlichen Notdienst. Hund ruhig halten und Anstrengung vermeiden; wenn möglich unterwegs anrufen. Bläuliche Schleimhäute oder Kollaps sind besonders alarmierend.

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Wenn dein Hund schwer atmet, keucht oder nach Luft schnappt, ist das für jeden Halter beängstigend. Und das zu Recht: Atemnot beim Hund kann schnell lebensbedrohlich werden. Nicht jedes Hecheln ist ein Problem. Nach Bewegung, bei Hitze oder Aufregung hecheln Hunde normal. Auffällig wird es, wenn dein Hund in Ruhe angestrengt atmet, die Atmung laut wird oder sich die Schleimhäute verfärben. Hier erfährst du, welche Ursachen hinter Atemnot stecken, welche Warnzeichen einen Notfall anzeigen und was du bis zum Tierarzt tun kannst.

Was steckt hinter Atemnot beim Hund?

Atemnot entsteht, wenn Luft nicht richtig in die Lunge gelangt, die Lunge selbst erkrankt ist oder das Herz nicht genug pumpt. Die wichtigsten Ursachen:

Kurzköpfige Rassen (BOAS)

Bei Mops, Französischer Bulldogge und anderen kurzköpfigen Rassen sind die oberen Atemwege oft zu eng. Das brachyzephale obstruktive Atemwegssyndrom (BOAS) umfasst enge Nasenlöcher, ein zu langes Gaumensegel, vorgestülpte Kehlkopftaschen und eine zu enge Luftröhre. Betroffene Hunde atmen laut, vertragen wenig Bewegung und Hitze und atmen mit offenem Maul. Laut Cornell University wird BOAS meist zwischen einem und vier Jahren festgestellt und kann mit dem Alter schlimmer werden.

Trachealkollaps

Beim Trachealkollaps fällt die Luftröhre zusammen. Betroffen sind vor allem Zwerg- und Toy-Rassen, selten auch große Hunde. Typisch sind ein trockener, „hupender“ Husten und erschwertes Atmen. Übergewicht, Herzerkrankungen und chronische Bronchitis begünstigen die Beschwerden.

Lungenentzündung

Bei einer Bronchopneumonie atmen Hunde schnell oder angestrengt, husten tief, haben Fieber, sind matt und fressen schlecht. Eine Sonderform ist die Aspirationspneumonie. Sie entsteht, wenn Erbrochenes, Speichel oder zu schnell eingegebene flüssige Medizin in die Lunge gelangt.

Herzerkrankung

Die Mitralendokardiose ist laut MSD Veterinary Manual die häufigste Herzerkrankung des Hundes und macht etwa 75 Prozent der Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus. Betroffen sind vor allem ältere Hunde kleiner Rassen, etwa Cavalier King Charles Spaniel und Dackel. Nur etwa 30 Prozent der Hunde mit undichter Mitralklappe entwickeln eine Herzschwäche. Dann kann sich Wasser in der Lunge sammeln. Die Folgen sind Atemnot, Husten und Bewegungsunlust.

Warnzeichen: Wann es ein Notfall ist

Fahre sofort zum Tierarzt oder in den Notdienst, wenn du eines dieser Zeichen bemerkst:

  • bläuliche statt rosa Schleimhäute am Zahnfleisch oder an der Zunge,
  • Kollaps oder Ohnmacht,
  • gestreckter Hals und breit gestellte Vorderbeine beim Atmen,
  • deutlich arbeitende Bauchmuskeln und weit ausholender Brustkorb,
  • Maulatmung in Ruhe, die nicht aufhört,
  • dein Hund schläft plötzlich nur noch auf der Brust liegend statt auf der Seite,
  • Atemnot nach Hitze, nach einem Unfall oder nach dem Verschlucken von etwas.

Was du bis zum Tierarzt tun kannst, liest du auch unter Notfall und Erste Hilfe für Hund und Katze.

Was du zu Hause tun kannst – und was nicht

Sinnvoll

  • Ruhe bewahren: Stress verschlimmert die Atemnot. Sprich ruhig mit deinem Hund und vermeide Aufregung.
  • Halsband abnehmen: Alles, was auf den Hals drückt, sollte weg.
  • Kühl halten: Bring deinen Hund aus der Hitze in einen kühlen, gut belüfteten Raum.
  • Tierarzt vorab anrufen: So kann sich die Praxis vorbereiten, etwa mit Sauerstoff.
  • Atemzüge zählen: Bei Hunden mit bekannter Herzerkrankung ist die Atemfrequenz im Schlaf ein wichtiger Wert. Zähle die Atemzüge 15 Sekunden lang und nimm sie mal vier. Laut der Universität Missouri sollte die Schlafatemfrequenz unter 30 bis 35 Atemzügen pro Minute liegen.

Lieber nicht

  • Kein Wasser oder Futter einflößen, wenn dein Hund schlecht Luft bekommt.
  • Keine Medikamente für Menschen geben.
  • Nicht mit dem Finger tief in den Rachen greifen, wenn du nichts siehst.
  • Nicht abwarten, ob es von allein besser wird, wenn Warnzeichen da sind.
  • Keinen Spaziergang „an die frische Luft“ machen. Jede Anstrengung kostet Sauerstoff.

So untersucht der Tierarzt Atemnot

Bei schwerer Atemnot geht die Stabilisierung vor. Dazu können Sauerstoff, ein Beruhigungsmittel und entzündungshemmende Medikamente gehören. Erst danach folgen weitere Untersuchungen. Der Tierarzt hört Herz und Lunge ab und achtet darauf, ob dein Hund beim Ein- oder Ausatmen Probleme hat. Je nach Verdacht folgen:

  • Röntgen von Brustkorb und Hals, etwa um Wasser in der Lunge, eine Lungenentzündung oder die Weite der Luftröhre zu beurteilen,
  • Herzultraschall bei Verdacht auf eine Herzerkrankung, ergänzt durch EKG und den Bluttest NT-proBNP,
  • Blutuntersuchungen,
  • Atemwegsspülung mit Laboruntersuchung bei Lungenentzündung,
  • Endoskopie oder CT der oberen Atemwege bei kurzköpfigen Hunden. Gaumensegel und Kehlkopf lassen sich nur in leichter Narkose beurteilen.

Was kostet die Abklärung von Atemnot?

Die Kosten richten sich nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Abgerechnet wird der ein- bis dreifache Satz, im Notdienst mindestens der zweifache bis vierfache Satz plus 50 € Notdienstgebühr. Die Werte unten sind der einfache Satz, netto ohne 19 % Mehrwertsteuer:

Leistung (GOT-Nr.) Einfacher Satz netto
Allgemeine Untersuchung mit Beratung (Nr. 16) 23,62 €
Röntgen, 1. und 2. Aufnahme, je (Nr. 166) 26,53 €
Herzultraschall (Nr. 650) 67,20 €
Doppler zusätzlich (Nr. 651) 53,86 €
Großes Blutbild maschinell (Nr. 618) 23,52 €

Beispiel: Untersuchung und zwei Röntgenaufnahmen kosten im einfachen Satz 76,68 € netto, also 91,25 € brutto. Ein Herzultraschall mit Doppler kostet im einfachen Satz 121,06 € netto. Nachts oder am Wochenende kostet allein die Untersuchung im zweifachen Satz mit Notdienstgebühr 97,24 € netto, also 115,72 € brutto. Mehr dazu unter Tierarzt-Notdienst: Kosten.

Vorbeugen

  • Gesundes Gewicht: Bei Trachealkollaps ist Abnehmen laut MSD Veterinary Manual entscheidend. Auch bei BOAS empfehlen Tierärzte ein gesundes Körpergewicht. Den Verlauf behältst du mit dem Gewichtsverlauf-Rechner im Blick.
  • Brustgeschirr statt Halsband: Das entlastet Hals und Luftröhre.
  • Hitze meiden: Besonders kurzköpfige Hunde vertragen Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit schlecht.
  • Impfen: Gegen wichtige Erreger von Atemwegsinfekten gibt es Impfstoffe. Infos findest du im Impfplan.
  • Herzhunde überwachen: Steigt die Schlafatemfrequenz an drei Tagen in Folge um 20 bis 30 Prozent oder mehr, oder liegt sie dauerhaft über 35 Atemzügen pro Minute, rät die Universität Missouri, die Praxis zu kontaktieren.

Häufige Fragen zu Atemnot beim Hund

Wie erkenne ich, ob mein Hund nur hechelt oder Atemnot hat?

Hecheln nach Bewegung oder bei Wärme hört in Ruhe wieder auf. Atemnot zeigt sich durch Anstrengung beim Atmen, Atemgeräusche, ungewöhnliche Körperhaltung oder verfärbte Schleimhäute.

Ist lautes Atmen beim Mops normal?

Nein. Atemgeräusche sind ein Zeichen für verengte Atemwege. Schwere Fälle lassen sich operativ verbessern.

Kann Atemnot vom Herzen kommen?

Ja. Bei Herzschwäche kann sich Flüssigkeit in der Lunge sammeln. Eine erhöhte Atemfrequenz im Schlaf ist dafür ein wichtiger Hinweis.

Quellen

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Kosten im Notdienst

Muss dein Tier außerhalb der Sprechzeiten behandelt werden, berechnen Tierärzte im Notdienst (werktags 18 bis 8 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen) nach der Gebührenordnung (GOT) mindestens den 2-fachen Satz, dazu kommt eine Notdienstgebühr von 50 € zuzüglich Mehrwertsteuer (Quelle: HanseMerkur – GOT). Mehr dazu im Ratgeber Tierarzt-Notdienst Kosten. Ob eine Versicherung die Kosten übernimmt, hängt vom Tarif ab – einen neutralen Überblick findest du im Tierkrankenversicherung Vergleich.