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Persistierende Milchzähne beim Hund: Doppelzähne & Behandlung

Dein Welpe hat plötzlich zwei Eckzähne nebeneinander – einen kleinen, spitzen Milchzahn und daneben den bleibenden? Dann siehst du einen persistierenden Milchzahn: Ein Milchzahn, der nicht ausgefallen ist, obwohl der bleibende Zahn längst durchbricht. Das ist bei Kleinhunderassen so häufig, dass es fast zum Alltag der Welpenuntersuchung gehört – und es ist mehr als ein optisches Detail: Doppelreihen von Zähnen werden zur Plaque-Falle und verursachen bleibende Zahnfehlstellungen.

In diesem Ratgeber erfährst du, warum Milchzähne manchmal „kleben bleiben“, welche Rassen besonders betroffen sind (Yorkshire Terrier, Chihuahua, Malteser & Co.), bis wann ein Milchzahn noch von selbst fallen kann und wann die Extraktion nötig wird. Wir erklären auch, warum der ideale Zeitpunkt oft die Kastration ist, wie die Doppelreihe die spätere Parodontitis-Anfälligkeit erhöht und was die Behandlung kostet.

Wie immer: Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Untersuchung – aber nach ihm weißt du genau, worauf du beim Zahnwechsel deines Welpen achten musst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Was ist das? Persistierende (verbliebene) Milchzähne sind Milchzähne, die nach dem Durchbruch des bleibenden Zahns nicht ausfallen – meist die Eckzähne, seltener Schneide- oder Backenzähne. Ergebnis: „Doppelzähne“ (zwei Zähne an einer Position).
  • Notfall? Nein – aber zeitnahe Korrektur empfohlen, idealerweise bis zum 7.–8. Lebensmonat, bevor Fehlstellungen und Zahnschäden entstehen.
  • Typische Symptome: Doppelte Zahnreihe (Milchzahn sitzt meist vorne/am äußeren Rand des bleibenden Zahns), vermehrte Zahnsteinneigung zwischen den Zähnen, Fehlstellung der bleibenden Zähne, gelegentlich Zahnfleischentzündung an der Engstelle.
  • Risikorassen: Kleine und Toy-Rassen: Yorkshire Terrier, Chihuahua, Malteser, Pomeranian, Toy-Pudel, Shih Tzu, Jack Russell Terrier, Dackel – Häufigkeit dort deutlich erhöht.
  • Ursachen: Der Milchzahn hat keine Wurzelresorption (die Wurzel löst sich nicht auf), oft weil der bleibende Zahn in falscher Position durchbricht und den Druckreiz für die Resorption nicht auslöst; genetische Veranlagung bei Kleinhunden.
  • Diagnose: Blickdiagnose bei der Maulkontrolle; Dentalröntgen zur Beurteilung der Wurzelverhältnisse vor der Extraktion.
  • Behandlung: Extraktion des Milchzahns in Narkose – oft sinnvoll mit der Kastration kombiniert; danach häufig Selbstkorrektur der Stellung des bleibenden Zahns.
  • Prognose: Sehr gut bei früher Extraktion; unbehandelt drohen dauerhafte Zahnfehlstellung, Zahnfleischtaschen und frühe Parodontitis an der Doppelreihe.
  • Kosten (Richtwerte): Untersuchung ca. 40–100 €, Extraktion in Narkose ca. 150–450 € je nach Zahl und Aufwand (GOT); Kombination mit Kastration spart Narkosekosten.

Wann zum Tierarzt?

Persistierende Milchzähne sind kein Notfall, aber ein Termin-Thema mit klarem Zeitrahmen:

  • Bei der nächsten Routineuntersuchung (Impfung/Welpencheck): Zeige jeden doppelt stehenden Zahn dem Tierarzt. Der Zahnwechsel läuft etwa vom 3. bis 7. Lebensmonat – in dieser Zeit werden die Zähne bei jeder Impfung ohnehin kontrolliert.
  • Bis spätestens 7.–8. Lebensmonat: Hält der Milchzahn dann noch, wird er sich fast nie mehr von selbst lösen – jetzt die Extraktion planen. Je früher der Milchzahn weg ist, desto besser kann sich der bleibende Zahn in die korrekte Position bewegen.
  • Zügiger handeln bei: sichtbarer Zahnfleischentzündung an der Doppelreihe, Mundgeruch, offensichtlicher Fehlstellung (der bleibende Eckzahn wächst nach innen Richtung Gaumen – „base narrow“), oder wenn der Welpe das Maul schmerzhaft schließt.
  • Praktischer Tipp: Wenn eine Kastration ohnehin geplant ist, besprich die kombinierte Milchzahn-Extraktion in derselben Narkose – das spart dem Hund einen zweiten Eingriff und dir Kosten.

Was du nicht tun solltest: Am Milchzahn „wackeln“ oder versuchen, ihn selbst zu ziehen. Milchzahnwurzeln sind lang, dünn und brüchig – ein abgebrochener Wurzelrest im Kiefer entzündet sich und wird zum Problem. Die Extraktion gehört in tierärztliche Hände, im Zweifel mit Dentalröntgen-Kontrolle.

Und der Blick nach vorn: Auch wenn der Doppelzahn „nicht stört“ – die Engstelle zwischen zwei Zähnen ist eine dauerhafte Plaque-Falle. Was heute harmlos aussieht, ist in zwei Jahren die Stelle mit dem ersten Zahnstein und der ersten Zahnfleischtasche. Frühe Korrektur ist buchstäblich Parodontitis-Vorsorge.

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Was ist diese Krankheit?

Was sind persistierende Milchzähne beim Hund?

Welpen werden zahnlos geboren; ab etwa der 3.–4. Lebenswoche brechen die 28 Milchzähne durch. Mit etwa 3–4 Monaten beginnt der Zahnwechsel: Die bleibenden Zähne (42 an der Zahl) wachsen nach, drücken auf die Milchzahnwurzeln und lösen sie auf (Resorption) – der Milchzahn fällt aus, der bleibende Zahn rückt nach. Bis zum 6.–7. Monat sollte der Wechsel abgeschlossen sein.

Bei persistierenden Milchzähnen (persistentes Deciduum) funktioniert genau dieser Mechanismus nicht: Die Wurzel des Milchzahns resorbiert nicht (oder nur teilweise), der Zahn bleibt fest verankert – obwohl der bleibende Zahn bereits daneben durchgebrochen ist. Das Ergebnis sind die typischen „Doppelzähnen“.

Warum das passiert

  • Fehlende Resorption: Der Druckreiz des nachwachsenden bleibenden Zahns löst normalerweise den Abbau der Milchzahnwurzel aus. Bricht der bleibende Zahn in einer leicht abweichenden Position durch (beim Eckzahn meist weiter nach innen/vorne), fehlt der Druck – die Milchzahnwurzel bleibt erhalten.
  • Genetik: Die Neigung ist erblich und bei Kleinhunden stark gehäuft – vermutlich hängt sie mit der Verkleinerung des Gebisses bei gleichbleibender Zahngröße zusammen (Platzmangel).

Die Folgen der Doppelreihe

  • Platzmangel und Fehlstellung: Der bleibende Zahn kann nicht in seine korrekte Position wandern. Bleibende Eckzähne, die nach innen (Richtung Gaumen) gedrängt werden („base narrow canines“), können den Gaumen verletzen und den Biss dauerhaft stören.
  • Plaque-Falle: Der schmale Spalt zwischen den beiden Zähnen sammelt Futterreste und Beläge, die weder Zunge noch Kauen erreichen – die ideale Startposition für Zahnstein und frühe Parodontitis.
  • Kieferschäden: Fehlstehende Zähne können auf gegenüberliegendes Zahnfleisch oder den Gaumen drücken (traumatischer Biss).

Abzugrenzen sind persistierende Milchzähne von echten Anomalien wie überzähligen Zähnen (Hyperdontie) – die tierärztliche Untersuchung und ggf. ein Dentalröntgen klären das eindeutig. Wichtig ist außerdem: Die Milchzähne haben zwar dünne, aber lange Wurzeln – sie sitzen tiefer, als ihre winzige Krone vermuten lässt. Deshalb ist die Extraktion präzise Arbeit, kein „Ziehen am Stümpfchen“.

Symptome

Symptome persistierender Milchzähne beim Hund

Die Diagnose macht das Auge – die Symptome sind sichtbar und meist unauffällig im Verhalten:

Leitsymptom

  • Doppelte Zähne: Zwei Zähne an einer Position – der kleine, schlanke, nadelscharfe Milchzahn sitzt dicht neben dem breiteren bleibenden Zahn. Am häufigsten bei den Eckzähnen (oben wie unten), seltener bei Schneidezähnen und Prämolaren.
  • Der Milchzahn sitzt beim oberen Eckzahn typischerweise vorn/außen (mesial), beim unteren Eckzahn ebenfalls vor dem bleibenden – die bleibenden Eckzähne brechen hinter dem Milchzahn durch und werden nach vorne/innen gedrängt.

Begleitende Befunde

  • Vermehrte Belagsbildung und früher Zahnstein im Bereich der Doppelreihe
  • Rotes, gereiztes Zahnfleisch an der Engstelle (beginnende Gingivitis)
  • Mundgeruch, obwohl der Welpe/Junghund sonst gesund ist
  • Sichtbare Fehlstellung: bleibende Zähne stehen schief, ragen nach innen oder stehen zu eng; der Biss wirkt „eng“
  • Bei nach innen gedrängten unteren Eckzähnen: Druckstellen oder Verletzungen am Gaumen; der Hund schließt das Maul ggf. schmerzhaft

Was meist NICHT auffällt

  • Fressverhalten: Die meisten Welpen fressen völlig normal – Schmerz ist selten, solange kein Gewebe verletzt wird
  • Spiel- und Kaustimmung bleiben normal

Deshalb ist die aktive Maulkontrolle so wichtig: Hebe während des Zahnwechsels (3.–7. Monat) einmal pro Woche die Lefzen deines Welpen und zähle die Eckzähne. Vier Eckzähne = korrekt. Fünf oder mehr = Handlungsbedarf. Auch die Tierarztbesuche zur Grundimpfung sind der klassische Zeitpunkt, an dem persistierende Milchzähne entdeckt werden – sprich das Thema aktiv an, wenn du Doppelzähne siehst.

Spätfolgen bei unbehandelten Doppelzähnen zeigen sich erst Jahre später: chronische Zahnfleischentzündung an der Engstelle, frühe Zahnfleischtaschen, Zahnverlust an genau dieser Position – die späte Quittung für den verbliebenen Milchzahn.

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Ursachen und Risikofaktoren

Ursachen und Risikofaktoren persistierender Milchzähne

Die Mechanik des Zahnwechsels – und wo sie kippt

Der normale Zahnwechsel ist ein Druck-Mechanismus: Der wachsende bleibende Zahn drückt von unten gegen die Milchzahnwurzel, spezialisierte Zellen (Odontoklasten) lösen die Wurzel auf, der Milchzahn verliert seinen Halt und fällt. Dieser Prozess versagt, wenn:

  • Der bleibende Zahn in falscher Position durchbricht: Liegt der bleibende Zahn nicht exakt unter dem Milchzahn, fehlt der Druckreiz – die Wurzel resorbiert nicht. Der bleibende Eckzahn bricht z. B. oft nach innen durch und „verfehlt“ die Milchzahnwurzel.
  • Genetische Programmierung: Bei manchen Linien ist die Resorptionsbereitschaft generell schwächer – die Neigung vererbt sich, deshalb sollten stark betroffene Tiere nicht zur Zucht eingesetzt werden.

Risikorassen

Die Anatomie kleiner Köpfe ist der Hauptrisikofaktor – bei Miniaturisierung schrumpft der Kiefer stärker als die Zahngröße:

  • Yorkshire Terrier – die Spitzenreiter; in manchen Linien fast die Regel
  • Chihuahua, Malteser, Pomeranian (Zwergspitz), Toy- und Zwergpudel
  • Shih Tzu, Pekingese und andere kurzköpfige Kleinrassen
  • Dackel, Jack Russell Terrier, Bichon Frisé, Cavalier King Charles Spaniel – ebenfalls häufig

Bei Großrassen sind persistierende Milchzähne dagegen selten – dort passt der Zahnwechsel meist problemlos.

Weitere begünstigende Faktoren

  • Zahnengstand generell: zu viele/große Zähne auf zu kleinem Kiefer
  • Verzögerter Zahnwechsel: spät durchbrechende bleibende Zähne geben der Resorption weniger Zeitfenster
  • Allgemeine Entwicklungsstörungen des Gebisses (Anodontie, Oligodontie in derselben Linie)

Wichtig für die Einordnung: Persistierende Milchzähne sind keine Folge falscher Ernährung oder Pflege – du kannst als Halter nichts „falsch gemacht“ haben. Es ist eine anatomisch-genetische Besonderheit, die einfach korrigiert werden muss. Und sie ist ein guter Grund, das Gebiss deines Kleinhunds zeitlebens im Blick zu behalten: Doppelzahn-Historie bedeutet enges Gebiss, und enges Gebiss bedeutet erhöhte Parodontitis-Anfälligkeit – die tägliche Mundpflege wird hier zur Langzeitstrategie.

Diagnose

Diagnose: So werden persistierende Milchzähne festgestellt

1. Blickdiagnose bei der Mauluntersuchung

Die Diagnose ist eine reine Sichtdiagnose: Der Tierarzt (oder du zu Hause) sieht die doppelte Zahnposition. Bei jeder Welpenuntersuchung und Impfung während des Zahnwechsels (ca. 8., 12., 16. Woche und danach) gehört die Kontrolle des Gebisses dazu:

  • Sind alle Milchzähne zur richtigen Zeit ausgefallen?
  • Brechen die bleibenden Zähne an der korrekten Position durch?
  • Steht ein Milchzahn noch, obwohl der bleibende bereits da ist?

2. Beurteilung der Bisslage

Der Tierarzt prüft, ob der verbliebene Milchzahn die Stellung der bleibenden Zähne bereits beeinflusst:

  • Stehen die bleibenden Eckzähne zu eng oder nach innen gedreht („base narrow“)?
  • Berühren Zähne den Gaumen oder das gegenüberliegende Zahnfleisch (traumatischer Biss)?
  • Gibt es schon Zahnfleischtaschen oder Entzündungen an der Doppelreihe?

3. Dentalröntgen vor der Extraktion

Vor der Entfernung wird – besonders bei Eckzähnen – geröntgt:

  • Wie lang und in welcher Form ist die Milchzahnwurzel noch erhalten? (Bruchrisiko bei der Extraktion)
  • Wie liegt die Wurzel zum bleibenden Zahn und zu den Nachbarwurzeln?
  • Gibt es unerwartete Befunde (z. B. fehlende bleibende Zähne – dann kann der Milchzahn sogar erhaltenswert sein!)?

Wichtiger Punkt: Fehlt ein bleibender Zahn anlagebedingt (kommt bei Kleinhunden vor), kann ein fester Milchzahn durchaus Funktion übernehmen – die Entscheidung „ziehen oder belassen“ trifft nur der Tierarzt nach Röntgen, nie nach Optik.

4. Dokumentation und Planung

Befund, betroffene Zähne und der Zeitplan (idealerweise bis 7.–8. Monat, ggf. kombiniert mit der Kastration) werden festgehalten. Bei Zuchttieren gehört die Dokumentation außerdem in die Zuchtunterlagen – die Neigung ist erblich.

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Behandlung

Behandlung persistierender Milchzähne beim Hund

Die Behandlung ist eindeutig: Der persistierende Milchzahn wird extrahiert – je früher, desto besser. Abwarten ist nur in den ersten Wochen des Durchbruchs sinnvoll.

1. Das richtige Timing

  • Abwartephase: Bricht der bleibende Zahn gerade durch und der Milchzahn wackelt bereits, kann man 2–4 Wochen geben – manche Milchzähne fallen in dieser Zeit noch.
  • Handlungsphase: Sitzt der Milchzahn fest, während der bleibende wächst, wird extrahiert – idealerweise bis zum 7.–8. Lebensmonat. In diesem Fenster hat der bleibende Zahn die besten Chancen, sich in die korrekte Position zu bewegen (die Zahnwanderung funktioniert im Wachstum am besten).
  • Kombination mit der Kastration: die praktikabelste Lösung – eine Narkose, zwei Baustellen erledigt. Sprich es frühzeitig an, damit die OP-Planung beides berücksichtigt.

2. Die Extraktion

  • Die Extraktion erfolgt in Vollnarkose mit Intubation – Maul und Atemwege müssen gesichert sein.
  • Milchzahnwurzeln sind lang, dünn und brüchig: Der Zahn wird vorsichtig luxiert und mit feinen Instrumenten entfernt; beim Eckzahn ist oft eine kleine chirurgische Extraktion mit Lappenbildung nötig.
  • Vollständigkeitskontrolle: Wurzelreste müssen vermieden werden (ggf. per Dentalröntgen prüfen) – Reste entzünden sich.
  • Die kleine Wunde verheilt meist ohne Naht oder mit wenigen resorbierbaren Stichen.

3. Nach der Extraktion: die Selbstkorrektur

Sobald der Milchzahn weg ist, wandert der bleibende Zahn bei jungen Hunden häufig von selbst in eine bessere Position – das Wachstum erledigt den Rest. Bei bereits deutlich fehlgestellten Eckzähnen („base narrow“) kann eine kieferorthopädische Behandlung nötig werden (z. B. Kippbewegung mit Kunststoff-Schiene beim Spezialisten, oder im einfachsten Fall das sogenannte „Ball-Therapie“-Konzept als unterstützende Maßnahme) – das ist aber die Ausnahme und wird nur geplant, wenn die Funktion leidet.

4. Was nicht behandelt wird

  • Ein fester Milchzahn ohne nachfolgenden bleibenden Zahn (Anlage fehlt) kann – nach Röntgen – belassen werden, solange er funktioniert und gesund ist.
  • Ältere Hunde mit jahrelang toleriertem Doppelzahn und ohne Entzündung: Hier wird individuell abgewogen (Narkoserisiko vs. Nutzen); die Parodontitis-Vorsorge an der Engstelle wird dann umso wichtiger.

5. Nachsorge

Weiches Futter für ein paar Tage, keine Zerrspiele eine Woche, keine harten Kauartikel bis zur Freigabe. Wundkontrolle nach ca. 10 Tagen. Danach: Beginn der täglichen Mundpflege-Routine – das enge Gebiss deines Hundes wird sie brauchen.

Pflege und Alltag

Pflege und Alltag rund um den Zahnwechsel

Während des Zahnwechsels (3.–7. Monat)

  • Wöchentliche Maulkontrolle: Lefzen anheben, Eckzähne zählen, auf Doppelzähne achten. Foto bei Verdacht – hilft dem Tierarzt bei der Verlaufsbeurteilung.
  • Kaubedürfnis ernst nehmen: Zahnende Welpen kauen intensiv – biete geeignete, nachgiebige Kauspielzeuge an (Fingernagel-Test!), damit Möbel und Finger verschont bleiben. Zu harte Kauartikel sind auch für Milchzähne tabu (Bruchgefahr, siehe Zahnfraktur).
  • Leichte Blutspuren am Spielzeug beim Zahnausfall sind normal; stärkere Blutung oder auffällige Schmerzen nicht.
  • Gefundene Milchzähne aufheben kannst du – verschluckte sind unproblematisch (sie werden verdaut).

Nach der Milchzahn-Extraktion

  • Am OP-Tag: ruhiger Tag, Wasser nach Freigabe, abends kleine weiche Mahlzeit.
  • 3–7 Tage weiches Futter, keine Zerrspiele, keine harten Kauartikel.
  • Täglich kurz ins Maul schauen: Die Wunde soll sauber und ruhig aussehen; bei Schwellung, Eitergeruch oder Nachblutung zur Praxis.
  • Kontrolltermin wahrnehmen; dann mit dem Zähneputzen-Training beginnen.

Langfristig: Das enge Gebiss pflegen

  • Zähneputzen von Anfang an: Kleinhunde mit Doppelzahn-Historie brauchen die tägliche Mundpflege mehr als andere – das Gebiss bleibt eng und plaqueanfällig.
  • Jährliche Zahnkontrollen (bei Kleinhunden besser halbjährlich) und Zahnsanierungen nach Bedarf – siehe Parodontitis-Vorbeugung.
  • Bissentwicklung im Blick: In den Monaten nach der Extraktion kontrollieren, ob die bleibenden Zähne in eine gute Position wandern; bei Auffälligkeiten früh nachfragen – kieferorthopädische Korrekturen funktionieren nur im Wachstum.

Verlauf und Prognose

Verlauf und Prognose persistierender Milchzähne

Mit früher Extraktion

Die Prognose ist ausgezeichnet: Wird der Milchzahn bis etwa zum 7.–8. Lebensmonat entfernt, wandern die bleibenden Zähne in der Mehrzahl der Fälle in eine akzeptable bis gute Position, und die Doppelreihe-Engstelle verschwindet. Die Extraktion selbst ist ein kleiner, risikoarmer Eingriff mit schneller Heilung (wenige Tage). Diese Hunde starten danach mit einem normalen Gebiss ins Erwachsenenleben – mit dem Vorbehalt, dass Kleinhunde-Gebisse pflegeintensiv bleiben.

Ohne Behandlung

Der unbehandelte Doppelzahn folgt einem schleichenden Drehbuch:

  • Dauerhafte Fehlstellung: Die bleibenden Zähne verbleiben in der gedrängten Position; bei nach innen gedrängten unteren Eckzähnen drohen Gaumenverletzungen und Bissprobleme.
  • Frühe Parodontitis an der Engstelle: Die Zahnzwischenräume der Doppelreihe sind die erste Stelle im Maul, an der Zahnstein und Zahnfleischtaschen entstehen – oft schon im zweiten Lebensjahr.
  • Langzeitfolgen: Zahnverlust an der betroffenen Position, begleitende Entzündungen, erhöhter Sanierungsbedarf über das ganze Hundeleben.

Späte Extraktion beim erwachsenen Hund

Auch beim erwachsenen Hund kann ein persistierender Milchzahn noch sinnvoll entfernt werden – die Position des bleibenden Zahns korrigiert sich dann zwar nicht mehr, aber die Plaque-Falle wird beseitigt. Die Entscheidung trifft der Tierarzt nach Zustand des Gebisses und Narkoserisiko individuell.

Züchterische Perspektive

Da die Neigung erblich ist, gehört der Befund in die Zuchtplanung: Hunde mit mehrfachen persistierenden Milchzähnen sollten in strengen Zuchtprogrammen nicht oder nur mit entsprechend getesteten Partnern eingesetzt werden. Für dich als Welpenkäufer heißt das: Frage den Züchter nach Gebissproblemen in der Linie – seriöse Züchter kennen ihre Werte.

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Vorbeugung

Vorbeugung: Was du beim Zahnwechsel tun kannst

Persistierende Milchzähne selbst kannst du nicht verhindern – die Anlage ist genetisch. Aber du kannst die Folgen komplett abfangen:

1. Der Zahnwechsel-Monitoring-Plan

  • Wöchentliche Maulkontrolle vom 3. bis 8. Lebensmonat: Zähne zählen, Doppelpositionen suchen, Bisslage ansehen.
  • Bei jeder Impfung und jedem Welpencheck das Gebiss ausdrücklich kontrollieren lassen – nicht nur „mitmachen“ lassen.
  • Bei Risikorassen (Yorkshire, Chihuahua, Malteser, Toy-Pudel & Co.) die Kontrolle besonders ernst nehmen – dort ist der Doppelzahn die Regel, nicht die Ausnahme.

2. Früh handeln

  • Sitzt ein Milchzahn fest, während der bleibende wächst: Extraktion planen, nicht monatelang warten. Das Korrekturfenster des Gebisses schließt mit dem Wachstum.
  • Kastration geplant? Die Milchzahn-Extraktion in dieselbe Narkose legen – sprich es früh an.

3. Die Folgen vorbeugen

  • Tägliches Zähneputzen von Welpenalter an etablieren – bei engem Gebiss die wichtigste Parodontitis-Prophylaxe (siehe Parodontitis beim Hund).
  • Regelmäßige Zahnkontrollen auch nach dem Zahnwechsel; bei engem Gebiss Sanierungen nicht hinauszögern.
  • Zahngerechte Kauartikel (Fingernagel-Test), keine harten Risiken (Zahnfraktur vermeiden).

4. Beim Welpenkauf

Frage bei Kleinhunderassen nach der Gebissqualität der Eltern und früheren Würfe: persistierende Milchzähne, Fehlstellungen, frühe Zahnverluste? Ein Züchter, der Gebissdaten kennt und dokumentiert, selektiert auf gesunde Mäuler – das spart dir über das Hundeleben Behandlungen und Kosten.

Kosten und Versicherung

Kosten und Versicherung

Die Milchzahn-Extraktion gehört zu den überschaubaren Eingriffen. Richtwerte nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), je nach Region und Praxis 1- bis 3-facher Satz:

  • Gebisskontrolle / Untersuchung: ca. 40–100 €
  • Extraktion einzelner persistierender Milchzähne in Narkose (inkl. Narkose, ggf. Dentalröntgen): ca. 150–450 €, je nach Zahl und Aufwand (Eckzähne aufwendiger als Schneidezähne)
  • Kombination mit Kastration: der Extraktions-Anteil sinkt deutlich, da Narkose und Narkose-Vorbereitung nur einmal anfallen
  • Kieferorthopädische Korrektur (Spezialfall, z. B. base narrow canines): ca. 400–1.500 € beim Zahnspezialisten

Zur Versicherung: Da persistierende Milchzähne eine angeborene/entwicklungsbedingte Besonderheit sind, hängt die Übernahme vom Tarif ab. Viele Hundekranken- und OP-Versicherungen übernehmen die Extraktion, wenn sie nach Vertragsbeginn medizinisch notwendig wird; bei Welpen, die bereits mit bekanntem Befund versichert werden, können Ausschlüsse greifen. Wichtig ist außerdem die Zahn-Klausel des Tarifs generell – sie entscheidet auch über spätere Zahnbehandlungen. Vergleiche auf unserer Versicherungsseite und in der Kostenübersicht.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zu persistierenden Milchzähnen beim Hund

Was sind persistierende Milchzähne beim Hund?

Das sind Milchzähne, die nicht ausfallen, obwohl der bleibende Zahn bereits durchgebrochen ist. Das Ergebnis ist eine „Doppelreihe“ – zwei Zähne an einer Position. Am häufigsten sind die Eckzähne betroffen, besonders bei kleinen Hunderassen.

Bis wann kann ein Milchzahn noch von selbst ausfallen?

Der Zahnwechsel ist normalerweise mit 6–7 Monaten abgeschlossen. Wackelt der Milchzahn beim Durchbruch des bleibenden Zahns bereits, darf man 2–4 Wochen abwarten. Sitzt er danach noch fest, fällt er fast nie von selbst – dann sollte er bis spätestens zum 7.–8. Lebensmonat tierärztlich entfernt werden.

Warum muss der Doppelzahn überhaupt entfernt werden?

Weil die Engstelle zwischen den beiden Zähnen eine dauerhafte Plaque-Falle ist (früher Zahnstein, Zahnfleischtaschen, Parodontitis) und der bleibende Zahn in eine Fehlstellung gedrängt wird. Nach innen gedrängte Eckzähne können sogar den Gaumen verletzen. Die frühe Extraktion verhindert all das.

Welche Rassen sind besonders betroffen?

Kleine und Toy-Rassen: Yorkshire Terrier, Chihuahua, Malteser, Pomeranian, Toy- und Zwergpudel, Shih Tzu, Dackel und Jack Russell Terrier. Bei diesen Rassen sollten die Zähne während des gesamten Zahnwechsels wöchentlich kontrolliert werden.

Kann ich den Milchzahn selbst ziehen?

Nein, bitte nicht. Milchzahnwurzeln sind lang, dünn und brüchig – ein abgebrochener Wurzelrest im Kiefer entzündet sich und wird zum Problem. Die Extraktion gehört in tierärztliche Hände, bei Eckzähnen oft als kleine chirurgische Extraktion mit Röntgenkontrolle.

Was kostet die Milchzahn-Extraktion?

Richtwerte nach GOT: ca. 150–450 € inklusive Narkose, je nach Zahl und Aufwand der Zähne. Besonders praktisch: Die Extraktion lässt sich mit einer ohnehin geplanten Kastration in einer Narkose kombinieren – das spart Kosten und dem Hund einen Eingriff.

Bewegt sich der bleibende Zahn nach der Extraktion noch richtig?

Meistens ja: Wird der Milchzahn früh (bis ca. 7.–8. Monat) entfernt, wandert der bleibende Zahn mit dem Wachstum meist von selbst in eine gute Position. Nur bei deutlichen Fehlstellungen kann eine kieferorthopädische Korrektur beim Spezialisten nötig werden – solange der Hund noch wächst.

Quellen und weiterführende Informationen

  • PetMD – Malocclusion of Teeth in Dogs (inkl. persistierende Milchzähne): petmd.com
  • AniCura – Wissensbank Hundekrankheiten: anicura.de