Zittern

Das Wichtigste in Kürze

Zittern kann mit Kälte oder Aufregung zusammenhängen, aber auch bei Schmerzen oder Vergiftungen auftreten. Begleitzeichen sind deshalb wichtig.

Wann zum Tierarzt?

🔴 Sofort in die Tierklinik oder zum Notdienst: Bei Giftverdacht, Bewusstseinsstörung, Krämpfen, Kollaps oder Atemnot sofort zum Notdienst.

🟠 Heute noch tierärztlich abklären: Unerklärtes, anhaltendes oder wiederkehrendes Zittern heute mit der Praxis besprechen, besonders bei Schwäche oder Schmerzen.

🟢 Beobachten: Nur kurz beobachten, wenn ein eindeutiger harmloser Auslöser wie Kälte endet und der Hund danach wieder völlig normal ist.

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Zittert dein Hund, kann das ganz harmlose Gründe haben. Er friert nach dem Baden, ist aufgeregt vor dem Spaziergang oder fürchtet sich beim Gewitter. Zittern kann aber auch ein Zeichen für Schmerzen, eine Vergiftung oder eine Stoffwechselerkrankung sein. Entscheidend ist, ob es einen offensichtlichen Grund gibt, der schnell verschwindet, und ob weitere Symptome dazukommen. Hier erfährst du, welche Ursachen infrage kommen, wann Zittern ein Notfall ist und was der Tierarzt untersucht.

Hund zittert: Was steckt dahinter?

Harmlose Gründe

Die Tierklinik Animal Medical Center in New York nennt Kälte sowie Angst und Aufregung als häufige Auslöser. Zittern ist eine typische Körperreaktion auf beide Gefühle. Solches Zittern hört auf, sobald dein Hund wieder warm ist oder sich beruhigt hat.

Schmerzen

Zittern kann ein Hinweis auf Schmerzen sein, etwa nach einer Verletzung, einer Operation oder bei Arthrose. Viele Hunde zeigen Schmerzen sonst kaum. Achte deshalb darauf, ob dein Hund zusätzlich humpelt, sich ungern bewegt oder bei Berührung zuckt.

Vergiftungen

Laut Animal Medical Center können zahlreiche Gifte Zittern auslösen. Genannt werden unter anderem Xylit, Schokolade, Macadamianüsse, Rosinen und Weintrauben, bestimmte Medikamente, Schädlingsbekämpfungsmittel, Schneckenkorn, verschimmeltes Futter oder Kompost und Frostschutzmittel. Prüfe einen Verdacht im Gift-Check.

Kalziummangel

Ein zu niedriger Kalziumspiegel im Blut führt laut MSD Veterinary Manual zu Muskelzittern, Zuckungen und Krämpfen. Bei säugenden Hündinnen spricht man von Eklampsie beim Hund. Sie tritt meist 2 bis 3 Wochen nach der Geburt auf, wenn die Milchbildung am höchsten ist. Betroffen sind besonders kleine Hündinnen mit großen Würfen. Erste Zeichen sind Hecheln und Unruhe. Seltener entsteht Kalziummangel durch einen Hypoparathyreoidismus beim Hund, also einen Mangel an Nebenschilddrüsenhormon.

Morbus Addison

Beim Morbus Addison beim Hund bilden die Nebennieren zu wenig Hormone. Das Cornell Riney Canine Health Center nennt Zittern und Schwäche ausdrücklich als Anzeichen, dazu Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall, Gewichtsverlust, vermehrten Durst und Austrocknung. Die Erkrankung tritt häufiger bei jungen bis mittelalten Hunden auf, Hündinnen sind möglicherweise öfter betroffen. Weil die Anzeichen vielen anderen Krankheiten ähneln, gilt Morbus Addison als „großer Imitator“.

Weitere Ursachen

Auch Unterzucker, Fieber und eine Magendrehung können Zittern auslösen. Erkrankungen des Kleinhirns verursachen laut MSD Veterinary Manual ebenfalls Zittern, oft zusammen mit unsicheren Bewegungen und Gleichgewichtsstörungen.

Warnzeichen: Wann es ein Notfall ist

Das Animal Medical Center rät, mit einem zitternden Hund zum Tierarzt zu gehen, wenn es keinen offensichtlichen Grund gibt, der sich schnell beheben lässt. Sofort in die Tierklinik musst du, wenn

  • dein Hund etwas Giftiges gefressen haben könnte,
  • der Bauch aufgebläht ist und er erfolglos würgt,
  • eine säugende Hündin zittert, hechelt, unruhig wird oder steif läuft,
  • das Zittern in Krämpfe oder einen Anfall übergeht,
  • dein Hund plötzlich sehr schwach ist, erbricht, Durchfall hat oder zusammenbricht,
  • er nicht mehr richtig ansprechbar ist oder schwankt.

Eine Addison-Krise ist laut Cornell ein lebensbedrohlicher Notfall mit plötzlicher Schwäche, starkem Erbrechen, Durchfall und manchmal Kollaps. Auch die Eklampsie ist lebensbedrohlich und braucht sofortige Behandlung. Mehr zur Ersten Hilfe findest du unter Notfall und Erste Hilfe für Hund und Katze.

Was du zu Hause tun kannst und was nicht

  • Ursache prüfen: Ist dein Hund nass, friert er oder hat er Angst? Dann wärmen, abtrocknen und ihm einen ruhigen Rückzugsort geben.
  • Umgebung absuchen: Fehlen Schokolade, zuckerfreier Kaugummi mit Xylit, Medikamente oder Schneckenkorn? Verpackungen mitnehmen, falls du zum Tierarzt fährst.
  • Beobachten und filmen: Ein kurzes Video hilft dem Tierarzt, Zittern von Krämpfen zu unterscheiden.
  • Kein Erbrechen auslösen: Das darf nur der Tierarzt entscheiden. Je nach Gift kann es schaden.
  • Keine Medikamente für Menschen: Sie können selbst Vergiftungen auslösen.
  • Keine Kalziumpräparate auf eigene Faust: Bei Verdacht auf Eklampsie gehört die Hündin sofort in die Praxis.

So untersucht der Tierarzt

Der Tierarzt fragt nach Beginn, Dauer und Begleitsymptomen sowie nach möglichen Giften, Medikamenten und einer kürzlichen Geburt. Er misst die Temperatur und untersucht deinen Hund allgemein und neurologisch.

Blutuntersuchungen sind meist der wichtigste Schritt. Sie zeigen Blutzucker, Kalzium, Elektrolyte sowie Leber- und Nierenwerte. Verschiebungen der Blutsalze können laut Cornell auf Morbus Addison hindeuten. Bestätigt wird die Diagnose laut Cornell mit dem ACTH-Stimulationstest: Das Stresshormon Cortisol wird vor und nach einer Hormonspritze gemessen. Bei Hypoparathyreoidismus misst der Tierarzt laut MSD Veterinary Manual Kalzium, Phosphor und Parathormon im Blut. Je nach Verdacht kommen Röntgen oder Ultraschall dazu.

Was kostet die Abklärung?

Abgerechnet wird nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), im einfachen bis dreifachen Satz zuzüglich 19 % Mehrwertsteuer. Typische Positionen nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), netto:

Leistung (GOT-Nr.) 1-facher Satz 3-facher Satz
Allgemeine Untersuchung mit Beratung (16) 23,62 € 70,86 €
Blutprobenentnahme venös (627) 10,26 € 30,78 €
Großes Blutbild maschinell (618) 23,52 € 70,56 €
Blutchemie bis 3 Parameter, je Parameter (610) 13,57 € 40,71 €
Blutchemie mehr als 3 Parameter, je Parameter (611) 6,16 € 18,48 €
Ultraschalldiagnostik (180) 58,92 € 176,76 €

Hormontests wie der ACTH-Stimulationstest werden zusätzlich berechnet. Im Notdienst gilt mindestens der 2-fache bis 4-fache Satz plus 50 € Notdienstgebühr, siehe Tierarzt-Notdienst-Kosten. Zu Laborkosten findest du mehr unter Blutbild beim Hund: Kosten. Einen neutralen Überblick bietet der Tierkrankenversicherung-Vergleich.

Vorbeugen

  • Giftige Lebensmittel, Medikamente, Schneckenkorn und Frostschutzmittel außer Reichweite aufbewahren.
  • Kälteempfindliche, kurzhaarige oder kleine Hunde bei nassem, kaltem Wetter warm halten und nach dem Baden gut abtrocknen.
  • Säugende Hündinnen in den ersten Wochen nach der Geburt eng beobachten.
  • Bei bekanntem Morbus Addison die Medikamente zuverlässig geben und Kontrolltermine einhalten. Die Behandlung ist lebenslang.

Häufige Fragen zum Zittern beim Hund

Warum zittert mein Hund im Schlaf?

Leichtes Zucken im Schlaf ist bei vielen Hunden normal. Lässt sich dein Hund nicht wecken oder wirkt er danach verwirrt, kann es ein Anfall sein. Dann solltest du ihn untersuchen lassen.

Zittert mein Hund, weil er alt ist?

Ältere Hunde zittern häufiger, oft wegen Schmerzen durch Arthrose. Das Alter allein ist keine Erklärung, lass die Ursache abklären.

Ist Morbus Addison behandelbar?

Ja. Laut Cornell haben viele Hunde mit passender Behandlung und Kontrolle eine sehr gute Prognose. Heilbar ist die Krankheit nicht, die Behandlung ist lebenslang.

Was unterscheidet Zittern von einem Krampfanfall?

Beim Zittern ist dein Hund meist ansprechbar. Bei einem Anfall verliert er oft das Bewusstsein, rudert mit den Beinen oder verliert Urin. Im Zweifel hilft ein Video beim Tierarzt.

Quellen

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Kosten im Notdienst

Muss dein Tier außerhalb der Sprechzeiten behandelt werden, berechnen Tierärzte im Notdienst (werktags 18 bis 8 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen) nach der Gebührenordnung (GOT) mindestens den 2-fachen Satz, dazu kommt eine Notdienstgebühr von 50 € zuzüglich Mehrwertsteuer (Quelle: HanseMerkur – GOT). Mehr dazu im Ratgeber Tierarzt-Notdienst Kosten. Ob eine Versicherung die Kosten übernimmt, hängt vom Tarif ab – einen neutralen Überblick findest du im Tierkrankenversicherung Vergleich.

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