Kontrolle der Ohren während einer tierärztlichen Untersuchung

Hüftdysplasie (HD) beim Hund: Die häufigste Gelenkerkrankung großer Rassen

Dein junger Labrador oder Deutscher Schäferhund steht schwer auf, zeigt einen watschelnden Gang in der Hinterhand oder verweigert plötzlich das Springen ins Auto? Dann könnte eine Hüftdysplasie (HD) dahinterstecken – die häufigste Gelenkerkrankung großer Hunderassen und eine der bekanntesten erblichen Erkrankungen des Hundes überhaupt.

Bei der Hüftdysplasie passt der Hüftkopf nicht richtig in die Hüftpfanne – das Gelenk ist locker und instabil. Jede Bewegung reibt die Knochen aufeinander, und über Monate bis Jahre entsteht eine schmerzhafte Arthrose. Die HD ist nicht heilbar, aber sie ist behandelbar: Von der konservativen Therapie mit Gewichtsmanagement und Physiotherapie bis zur Hüftoperation gibt es wirksame Optionen für jeden Schweregrad.

In diesem Ratgeber erfährst du, wie du die ersten Anzeichen erkennst, welche Rassen betroffen sind, wie die Diagnose läuft, welche Behandlungsmöglichkeiten existieren und wie du deinen Hund beweglich und schmerzfrei hältst.

Das Wichtigste in Kürze

Hüftdysplasie beim Hund – das Wichtigste in Kürze

  • Was ist das? Eine Fehlbildung des Hüftgelenks: Der Hüftkopf passt nicht richtig in die Hüftpfanne – das Gelenk ist locker, und es entsteht mit der Zeit eine Arthrose.
  • Wen betrifft es? Vor allem große Rassen: Deutscher Schäferhund, Labrador, Golden Retriever, Bernhardiner, Rottweiler, Deutsche Dogge.
  • Typische Zeichen: Watschelnder Gang, Schwierigkeiten beim Aufstehen, „Häschen-Sprung“ beim Laufen, Unlust zum Springen und Treppensteigen.
  • Ist sie heilbar? Nicht heilbar, aber behandelbar – von konservativ (Gewicht, Physio, Schmerzmittel) bis chirurgisch (Hüft-TEP, andere Eingriffe).
  • Wichtigster Alltagsgriff: Normalgewicht – jedes Kilogramm zu viel belastet das instabile Gelenk und beschleunigt die Arthrose.
  • Kosten: Konservativ 50 bis 150 Euro monatlich; Hüft-TEP 3.000 bis 6.000 Euro – eine Hundeversicherung hilft, wenn vor der Diagnose abgeschlossen.

Wann zum Tierarzt?

Wann solltest du mit deinem Hund zum Tierarzt?

Die HD beginnt oft im Wachstum – und wird oft als „tollpatschiger Welpe“ fehlgedeutet. Diese Zeichen sollten dich hellhörig machen:

Zeitnah einen Termin vereinbaren, wenn:

  • dein Welpe oder Junghund einer gefährdeten Rasse watschelt oder die Hinterbeine beim Laufen „schlängelt“,
  • er beim Laufen die Hinterbeine gleichzeitig bewegt (der sogenannte „Häschen-Sprung“ oder „Bunny Hop“),
  • er Schwierigkeiten beim Aufstehen hat – besonders nach dem Liegen,
  • er nicht mehr springen will – ins Auto, aufs Sofa, über Hindernisse,
  • er nach dem Spiel lahmt oder die Hinterhand schont,
  • er beim Treppensteigen zögert oder verweigert.

Sofort in die Klinik – wenn:

  • dein Hund plötzlich stark lahmt und das Bein nicht mehr belastet,
  • er Schmerzen zeigt – winselt, zieht sich zurück, knurrt beim Anfassen der Hüfte,
  • er gar nicht mehr aufstehen kann.

Die Röntgen-Vorsorge bei gefährdeten Rassen

Bei großen Rassen gehört die HD-Röntgenuntersuchung zur Vorsorge – idealerweise mit 12 bis 18 Monaten, auch ohne Symptome. Viele Zuchtvereine verlangen sie für die Zuchtzulassung. Frühe Diagnose bedeutet: frühes Management, bevor die Arthrose Schaden anrichtet.

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Was ist diese Krankheit?

Was ist eine Hüftdysplasie?

Die Hüftdysplasie (HD, „Hüftgelenksdysplasie“) ist eine Fehlentwicklung des Hüftgelenks. Das gesunde Hüftgelenk ist eine Kugelgelenk: Der runde Hüftkopf (Oberschenkelkopf) sitzt passgenau in der Hüftpfanne (Becken) und wird von Bändern und Muskeln stabil gehalten. Bei der HD ist diese Passung gestört: Die Hüftpfanne ist zu flach, der Hüftkopf zu klein oder die Bänder zu locker – das Gelenk ist instabil.

Der Mechanismus des Schadens

Das instabile Gelenk bewegt sich bei jedem Schritt mehr als es soll: Der Hüftkopf rutscht in der flachen Pfanne hin und her (Subluxation). Jede Bewegung reibt den Knorpel auf – und Knorpel heilt nicht. Über Monate bis Jahre entsteht eine Arthrose: Der Knorpel ist abgenutzt, die Knochen reiben direkt aufeinander, das Gelenk entzündet sich und versteift. Die HD ist damit nicht eine einzelne Erkrankung, sondern der Anfang eines Prozesses, der in der Arthrose endet.

Die Gradeinteilung

Die HD wird nach dem Röntgenbild in Grade eingeteilt (in Deutschland nach der FCI-Klassifikation):

  • HD-frei (A): Normales Gelenk,
  • Grenzfall (B): Leichte Abweichung, oft ohne klinische Bedeutung,
  • Leichte HD (C): Erste Veränderungen, oft noch ohne Symptome,
  • Mittlere HD (D): Deutliche Instabilität und beginnende Arthrose,
  • Schwere HD (E): Schwerste Veränderung mit ausgeprägter Arthrose.

Warum sie so häufig ist

Die HD ist polygen vererbbar – mehrere Gene sind beteiligt – und wird durch Umweltfaktoren (schnelles Wachstum, Übergewicht, falsche Belastung) verstärkt. Das macht sie zur häufigsten orthopädischen Erkrankung großer Rassen: Bei manchen Rassen sind über 20 Prozent der Hunde betroffen.

Symptome

Welche Symptome zeigt ein Hund mit Hüftdysplasie?

Die Symptome beginnen oft im Wachstum (vier bis zwölf Monate) oder im Erwachsenenalter, wenn die Arthrose schmerzt. Das Spektrum ist breit:

Bei Welpen und Junghunden

  • Watschelnder, schlängelnder Gang in der Hinterhand – das Hinterteil bewegt sich mehr als normal,
  • „Häschen-Sprung“ (Bunny Hop): Beim Laufen werden beide Hinterbeine gleichzeitig bewegt, wie bei einem Hasen,
  • Schwierigkeiten beim Aufstehen – der Hund braucht mehrere Anläufe oder rutscht ab,
  • Unlust zum Springen – ins Auto, aufs Sofa, über Hindernisse,
  • Schnelle Ermüdung beim Spielen – der Hund legt sich früher hin als die anderen,
  • Schmale Hinterhandstellung – die Beine stehen eng zusammen, um das Gelenk zu entlasten.

Beim erwachsenen Hund (Arthrose-Phase)

  • Lahmheit nach Belastung – nach dem Spiel oder langem Spaziergang lahmt er,
  • Startschwierigkeiten: Nach dem Liegen die ersten Schritte steif und langsam, dann „läuft er sich warm“,
  • Muskelschwund an der Hinterhand – die Oberschenkel werden dünner, weil der Hund sie schont,
  • Schmerzzeichen: Winseln beim Aufstehen, Knurren beim Anfassen der Hüfte, Lecken am Gelenk,
  • Verhaltensänderungen: weniger Spielfreude, mehr Schlaf, manchmal Gereiztheit.

Wichtig zu wissen

Die Schwere des Röntgenbefunds und die Schwere der Symptome stimmen nicht immer überein: Manche Hunde mit mittlerer HD zeigen kaum Beschwerden, andere mit leichter HD lahmen deutlich. Entscheidend ist, was dein Hund zeigt – nicht nur, was das Röntgen zeigt.

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Ursachen und Risikofaktoren

Wie entsteht eine Hüftdysplasie – Ursachen und Risikofaktoren

Die HD ist ein Multifaktorielles Geschehen: Eine genetische Anlage trifft auf Umweltfaktoren. Beides zusammen bestimmt, ob und wie schwer sie ausbricht.

Die genetische Komponente

Die HD ist polygen vererbbar – mehrere Gene tragen dazu bei, dass das Hüftgelenk nicht richtig ausgebildet wird. Deshalb ist die Zuchtauswahl so wichtig: Seriöse Züchter lassen ihre Zuchttiere röntgen und verpaaren nur HD-freie oder grenzwertige Tiere. Die Vererbung ist nicht simpel dominant oder rezessiv – ein HD-freier Vater und eine HD-freie Mutter können trotzdem HD-betroffene Welpen haben, aber die Wahrscheinlichkeit ist deutlich niedriger.

Rassedisposition

  • Deutscher Schäferhund – die klassische HD-Rasse,
  • Labrador und Golden Retriever
  • Bernhardiner, Deutsche Dogge, Neufundländer
  • Rottweiler, Boxer, Bernese Mountain Dog
  • Auch kleine Rassen können betroffen sein, aber seltener und oft milder.

Umweltfaktoren – die du beeinflussen kannst

  • Schnelles Wachstum durch Überfütterung: Welpen, die zu viel und zu energiereich gefüttert werden, wachsen zu schnell – das Gelenk hat keine Zeit, sich stabil zu entwickeln. Langsames, kontrolliertes Wachstum ist der wichtigste Umweltschutz,
  • Übergewicht: Jedes Kilogramm zu viel belastet das instabile Gelenk und beschleunigt die Arthrose – bei HD-Hunden ist Normalgewicht Therapie,
  • Falsche Belastung im Wachstum: Zu viel Treppensteigen, Springen und lange Wanderungen mit dem Welpen belasten das sich entwickelnde Gelenk. Die Regel: kurze, häufige Spaziergänge statt langer Märsche, kein Treppensteigen im ersten Jahr,
  • Rutschige Böden: Welpen, die auf glatten Böden aufwachsen, rutschen aus – das belastet die Hüfte zusätzlich.

Was keine Rolle spielt

Kaltes Wetter, Impfungen oder „zu viel Spielen mit anderen Welpen“ verursachen keine HD. Die Anlage ist genetisch; die Umwelt entscheidet über die Ausprägung.

Diagnose

Wie wird eine Hüftdysplasie diagnostiziert?

Klinische Untersuchung – der erste Schritt

Der Tierarzt untersucht die Beweglichkeit der Hüfte: Beim Strecken und Drehen des Hinterbeins können ein Schmerzzeichen oder ein „Klicken“ (Ortolani-Zeichen bei Welpen) auftreten. Der Gang wird beurteilt – Watscheln, Häschen-Sprung, Muskelaufbau der Hinterhand. Bei älteren Hunden: Muskelschwund und schmerzhafte Bewegungseinschränkung.

Röntgen – die Standarddiagnostik

Die HD-Diagnose wird per Röntgen in Sedierung oder Kurznarkose gestellt: Der Hund liegt auf dem Rücken, die Hinterbeine werden gestreckt – das Bild zeigt die Hüftpfanne, den Hüftkopf und die Passung. Das Röntgen zeigt auch die Arthrose: Knorpelverschleiß, Knochenveränderungen, Gelenkversteifung. Die Gradeinteilung (A bis E) ergibt sich aus dem Röntgenbild.

Wann röntgen?

  • Bei Symptomen: Sofort – je früher die Diagnose, desto mehr Behandlungsoptionen,
  • Als Vorsorge: Bei gefährdeten Rassen mit 12 bis 18 Monaten, auch ohne Symptome – die Zuchtvereine verlangen sie, und sie ist sinnvoll,
  • Beim Welpenkauf: Die Röntgenergebnisse der Eltern zeigen lassen – das ist die einfachste Risikoabschätzung.

Weitere Untersuchungen

Bei unklarem Bild oder vor einer Operation: CT oder MRT für die detaillierte Darstellung des Gelenks. Die Blutuntersuchung gehört vor jeder Narkose dazu. Bei älteren Hunden mit Lahmheit wird auch die Ellenbogendysplasie und der Kreuzbandriss ausgeschlossen – die Symptome können sich überschneiden.

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Behandlung

Wie wird eine Hüftdysplasie behandelt?

Die Behandlung folgt dem Schweregrad – von der konservativen Therapie bis zum Gelenkersatz:

Konservative Therapie – die Basis für jeden Grad

  • Gewichtsmanagement: Die wichtigste einzelne Maßnahme – Normalgewicht reduziert die Belastung direkt und messbar. Bei übergewichtigen HD-Hunden ist die Abnahme oft die halbe Therapie,
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen bauen die Muskulatur auf, die das instabile Gelenk stabilisiert – Unterwasserlaufband, Schwimmen, aktive Übungen. Die Muskulatur ist der „körpereigene Stützverband“,
  • Schmerzmanagement: Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) bei Bedarf – nicht als Dauerlösung ohne Kontrolle, aber als Phasentherapie bei Schmerzschüben wirksam,
  • Gelenkunterstützende Nahrungsergänzungen: Omega-3-Fettsäuren, Grünlippmuschel, Glucosamin – die Evidenz ist gemischt, aber viele Halter berichten von Besserung. Sie schaden nicht und können helfen,
  • Alltagsanpassung: Rutschfeste Böden, Rampe statt Treppe, erhöhter Futternapf, orthopädisches Hundebett.

Chirurgische Optionen

  • Juvenile Pubische Symphysiodese (JPS): Bei sehr jungen Welpen (unter 20 Wochen) mit erkanntem Risiko – ein kleiner Eingriff, der das Wachstum der Hüftpfanne umleitet. Nur in einem engen Zeitfenster möglich,
  • Dreifache Beckenosteotomie (TPO): Bei jungen Hunden (unter etwa einem Jahr) mit HD, aber noch ohne Arthrose – die Hüftpfanne wird gedreht, um den Hüftkopf besser zu bedecken. Ein großer Eingriff mit guter Prognose bei richtiger Indikation,
  • Hüft-Totalendoprothese (Hüft-TEP): Das „künstliche Hüftgelenk“ beim Hund – bei schwerer HD mit Arthrose die beste Option. Die Ergebnisse sind ausgezeichnet: Die meisten Hunde sind danach schmerzfrei und voll belastbar. Kosten: 3.000 bis 6.000 Euro pro Seite,
  • Femurkopfresektion (FHO): Der Hüftkopf wird entfernt – das Gelenk bildet sich aus Bindegewebe neu. Bei kleinen bis mittleren Hunden eine gute Option; bei großen Hunden die zweite Wahl nach der TEP.

Die Entscheidung

Konservativ oder operativ? Das hängt vom Alter, der Schwere, der Arthrose und den finanziellen Möglichkeiten ab. Viele Hunde leben mit konservativer Therapie gut – die OP ist die Option, wenn das nicht mehr reicht oder wenn der junge Hund die besten Langzeitchancen verdient.

Pflege und Alltag

Leben mit einem HD-Hund – Pflege und Alltag

Gewicht – dein täglicher Beitrag

Halte deinen HD-Hund schlank – nicht „normal“, sondern schlank. Die Rippen sollten fühlbar sein, die Taille von oben sichtbar. Jedes Kilogramm zu viel belastet das instabile Gelenk bei jedem Schritt. Arbeite mit dem Tierarzt an einem Futterplan; Leckerlis zählen mit. Das ist keine Kosmetik – es ist die wirksamste einzelne Maßnahme gegen das Fortschreiten der Arthrose.

Bewegung – richtig dosiert

HD-Hunde brauchen Bewegung – aber die richtige:

  • Gut: Schwimmen (der beste HD-Sport), Unterwasserlaufband, ruhige Spaziergänge auf weichem Boden, langsame Steigungen,
  • Vorsicht: Ballspielen mit abrupten Stopps, Springen, Treppensteigen, Toben auf glattem Boden,
  • Das Tempo bestimmt der Hund: Kurze, häufige Spaziergänge schlagen einen langen Marsch. Nach dem Spiel beobachten: Lahmt er? Dann war es zu viel.

Zuhause anpassen

  • Rutschfeste Böden: Teppiche oder Matten auf glatten Böden – Rutschen belastet die Hüfte,
  • Rampe statt Treppe: Ins Auto, aufs Sofa – eine Rampe schont das Gelenk,
  • Orthopädisches Hundebett: Ein dickes, stützendes Bett entlastet die Hüfte im Liegen,
  • Erhöhter Futternapf: Der Hund muss sich nicht tief bücken.

Physiotherapie zu Hause

Dein Physiotherapeut zeigt dir Übungen für den Muskelaufbau – sanfte Beuge- und Streckübungen, Gewichtsverlagerung, langsame Steigungen. Zehn Minuten täglich sind mehr wert als eine Stunde einmal pro Woche. Die Muskulatur ist der körpereigene Stützverband der Hüfte – je stärker, desto stabiler das Gelenk.

Schmerzschübe managen

HD-Hunde haben gute und schlechte Tage. Bei Schmerzschüben: Ruhe, Wärme (eine Wärmflasche auf der Hüfte kann helfen), und das Schmerzmittel nach Plan. Halte Rücksprache mit dem Tierarzt über einen „Schmerzschub-Plan“ – das gibt dir Sicherheit.

Verlauf und Prognose

Verlauf und Prognose bei der Hüftdysplasie

Die individuelle Bandbreite

Die HD-Prognose ist so individuell wie die Erkrankung selbst: Manche Hunde mit mittlerer HD leben mit gutem Management ein ganzes Hundeleben ohne nennenswerte Einschränkung. Andere mit schwerer HD brauchen früh eine Operation. Die Röntgen-Einstufung ist ein Faktor, aber nicht der einzige – die Muskulatur, das Gewicht und das Management zählen genauso.

Konservativ geführte Hunde

Die Mehrheit der HD-Hunde wird konservativ geführt – und die meisten leben jahrelang gut. Der Schlüssel ist die Kombination: Normalgewicht, Physiotherapie, angepasste Bewegung, Schmerzmanagement bei Bedarf. Die Arthrose schreitet voran, aber langsam – und die Muskulatur kompensiert einen Teil der Instabilität.

Nach der Hüft-TEP

Die Hüft-Totalendoprothese ist eine der erfolgreichsten orthopädischen Operationen beim Hund: Über 90 Prozent der Hunde sind danach schmerzfrei und voll belastbar – viele Halter berichten, ihr Hund sei „wie neu“. Die Prothese hält in der Regel das ganze Hundeleben. Das ist die Option mit dem besten Langzeitergebnis bei schwerer HD.

Nach FHO

Die Femurkopfresektion ist bei kleinen bis mittleren Hunden eine gute Option – die meisten erreichen eine gute Funktion, auch wenn das Gelenk nie wieder „normal“ ist. Bei großen Hunden sind die Ergebnisse variabler.

Was die Prognose beeinflusst

  • Gewicht – der einzelne Faktor mit dem größten Einfluss auf den Verlauf,
  • Muskulatur – gut trainierte Hüftmuskulatur kompensiert viel,
  • Schweregrad der Arthrose bei der Diagnose,
  • Konsequenz des Managements – die tägliche Arbeit der Halter.

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Vorbeugung

Kann man einer Hüftdysplasie vorbeugen?

Die genetische Anlage nicht – aber die Ausprägung lässt sich deutlich beeinflussen, und beim Welpenkauf lässt sich das Risiko senken:

Beim Welpenkauf – die wichtigste Prävention

  • HD-Ergebnisse der Eltern zeigen lassen: Seriöse Züchter gefährdeter Rassen röntgen ihre Zuchttiere und können die Ergebnisse vorweisen. Beide Elterntiere HD-frei (A) oder grenzwertig (B) ist die beste Ausgangslage,
  • Zuchtverein mit HD-Pflicht wählen: Viele Zuchtvereine verlangen die HD-Untersuchung für die Zuchtzulassung – ein guter Filter,
  • Nicht nur auf das Aussehen schauen: Der „schönste“ Welpe ist nicht automatisch der gesündeste – die Gesundheit der Linie zählt.

In der Aufzucht – die Umweltfaktoren

  • Kontrolliertes Wachstum: Langsames, gleichmäßiges Wachstum durch angepasste Fütterung – der Welpe soll schlank wachsen, nicht schnell. Große Rassen brauchen spezielles Welpenfutter für große Rassen,
  • Belastung dosieren: Kurze, häufige Spaziergänge statt langer Märsche; kein Treppensteigen im ersten Jahr; kein Springen aus dem Auto,
  • Rutschfeste Böden in der Aufzucht – besonders in den ersten Monaten,
  • Normalgewicht von Anfang an – der schlankste Schutz, den es gibt.

Vorsorge-Röntgen

Bei gefährdeten Rassen: Die HD-Röntgenuntersuchung mit 12 bis 18 Monaten, auch ohne Symptome. Sie zeigt, ob Management nötig ist – und bei welchen Hunden die frühen chirurgischen Optionen (JPS, TPO) noch möglich sind.

Was Vorbeugung nicht kann

Die genetische Anlage lässt sich nicht wegtrainieren oder wegfüttern. Aber die Kombination aus seriösem Züchter, kontrolliertem Wachstum, Normalgewicht und angepasster Belastung deckt alle beeinflussbaren Faktoren ab – das ist mehr, als die meisten Welpen bekommen.

Kosten und Versicherung

Was kostet die Behandlung – und zahlt die Versicherung?

Typische Kosten

  • Diagnostik (Röntgen in Sedierung, klinische Untersuchung): etwa 200 bis 400 Euro.
  • Konservative Therapie: Schmerzmittel und Nahrungsergänzungen etwa 30 bis 100 Euro monatlich; Physiotherapie etwa 50 bis 80 Euro pro Sitzung.
  • TPO bei jungen Hunden: etwa 2.000 bis 3.500 Euro pro Seite.
  • Hüft-TEP: etwa 3.000 bis 6.000 Euro pro Seite – die teuerste, aber auch die erfolgreichste Option.
  • FHO: etwa 1.500 bis 3.000 Euro.

Versicherung

HD ist ein kritischer Punkt bei der Hundeversicherung: Da sie erblich und rassetypisch ist, schließen manche Versicherer sie bei gefährdeten Rassen aus oder erheben Rassenzuschläge. Der Abschluss vor der ersten Diagnose ist entscheidend – ein dokumentierter HD-Verdacht vor Vertragsbeginn macht sie zur Vorerkrankung. Es gibt Tarife, die HD abdecken, auch die teure Hüft-TEP – prüfe das vor Abschluss gezielt, besonders wenn du eine gefährdete Rasse hältst.

Lohnt sich das?

Die konservative Therapie ist kostengünstig und oft ausreichend. Die Hüft-TEP ist eine erhebliche Investition, aber eine der kosteneffizientesten orthopädischen Operationen: einmalig 3.000 bis 6.000 Euro für ein schmerzfreies, voll belastbares Hundeleben. Verglichen mit den jahrelangen Kosten der Schmerzmittel und der eingeschränkten Lebensqualität ist das für viele Hunde die klügere Entscheidung.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zur Hüftdysplasie beim Hund

Woran erkenne ich HD bei meinem Welpen?

Die typischen Zeichen: watschelnder Gang in der Hinterhand, „Häschen-Sprung“ beim Laufen (beide Hinterbeine gleichzeitig), Schwierigkeiten beim Aufstehen und Unlust zum Springen. Bei gefährdeten Rassen gehört das Röntgen mit 12 bis 18 Monaten zur Vorsorge – auch ohne Symptome.

Kann ein Hund mit HD ein normales Leben führen?

Die meisten ja – mit gutem Management: Normalgewicht, Physiotherapie, angepasste Bewegung, Schmerzmanagement bei Bedarf. Bei schwerer HD gibt die Hüft-TEP dem Hund ein schmerzfreies, voll belastbares Leben zurück. HD ist keine Todesdiagnose, sondern eine Management-Aufgabe.

Hilft Schwimmen wirklich bei HD?

Ja – Schwimmen ist der beste HD-Sport: Es baut die Muskulatur auf, die das instabile Gelenk stabilisiert, ohne das Gelenk zu belasten. Das Unterwasserlaufband beim Physiotherapeuten ist die kontrollierte Variante. Regelmäßiges Schwimmen ist eine der wirksamsten konservativen Maßnahmen.

Mein Hund hat HD – darf er noch Treppen steigen?

Besser nicht – Treppen belasten das instabile Gelenk besonders. Eine Rampe ins Auto und das Tragen über Treppen (bei kleineren Hunden) oder ein Hunderampen-System helfen. Wenn Treppen unvermeidbar sind: langsam, an der Leine, mit Unterstützung.

Was kostet eine Hüft-OP beim Hund?

Die Hüft-TEP kostet etwa 3.000 bis 6.000 Euro pro Seite, die FHO etwa 1.500 bis 3.000 Euro. Eine rechtzeitig abgeschlossene Hunde-Krankenversicherung, die HD abdeckt, übernimmt die Kosten in der Regel – prüfe vor Abschluss, ob HD bei deiner Rasse eingeschlossen ist.