Durchfall

Das Wichtigste in Kürze

Durchfall kann nach Futterveränderungen auftreten, aber auch auf Erkrankungen hinweisen. Blut, Erbrechen und ein schlechter Allgemeinzustand erhöhen die Dringlichkeit.

Wann zum Tierarzt?

🔴 Sofort in die Tierklinik oder zum Notdienst: Sofort zum Notdienst bei Kollaps, starkem blutigem Durchfall, heftigen Schmerzen oder deutlicher Schwäche.

🟠 Heute noch tierärztlich abklären: Heute anrufen bei wiederholtem wässrigem Durchfall, Erbrechen, Blut oder Futterverweigerung. Bei Welpen und Vorerkrankungen früher Hilfe holen.

🟢 Beobachten: Ein erwachsener, sonst gesunder und munterer Hund mit einmalig weichem Kot kann kurz beobachtet werden. Wasser anbieten; ohne Besserung innerhalb von 24 Stunden die Praxis kontaktieren.

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Weicher oder flüssiger Kot ist bei Hunden häufig. Oft hat dein Hund nur etwas Falsches gefressen, und nach ein, zwei Tagen ist alles wieder gut. Durchfall beim Hund kann aber auch durch Parasiten, Viren, chronische Darmentzündungen oder Futterunverträglichkeiten entstehen. Gefährlich wird es vor allem bei Welpen, bei blutigem Durchfall und wenn dein Hund zusätzlich erbricht oder matt wirkt. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Ursachen infrage kommen, woran du einen Notfall erkennst und wie du deinen Hund zu Hause sinnvoll unterstützt.

Dünndarm oder Dickdarm: Was der Kot verrät

Tierärzte unterscheiden, ob der Durchfall aus dem Dünndarm oder dem Dickdarm stammt. Das grenzt die Ursachen ein.

  • Dickdarm: Dein Hund setzt häufig kleine, flüssige Mengen ab, presst und hat Kotdrang. Oft sind Schleim oder frisches Blut dabei. Gewichtsverlust und Erbrechen sind selten.
  • Dünndarm: Große Kotmengen, Gewichtsverlust und Erbrechen sprechen eher für den Dünndarm.

Beobachte deshalb genau, wie oft dein Hund Kot absetzt, wie viel es ist und wie er aussieht. Ein Foto hilft dem Tierarzt.

Was steckt hinter Durchfall beim Hund?

Giardien

Giardien sind einzellige Darmparasiten. Laut ESCCAP verursachen sie wiederkehrenden, teils wässrigen Durchfall, dazu kommen manchmal Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Mattigkeit. Junge Hunde und Hunde mit geschwächtem Immunsystem trifft es oft besonders stark. Manche Hunde scheiden die Erreger aus, ohne krank zu wirken. Die Zysten überleben in feuchter Umgebung mindestens drei Monate, deshalb ist Hygiene bei der Behandlung so wichtig.

Chronische Darmentzündung (IBD)

Bei der IBD ist der Darm dauerhaft entzündet, ohne dass eine klare Ursache erkennbar ist. Typisch sind Erbrechen, Durchfall, Appetitveränderungen und Gewichtsverlust. Laut MSD Veterinary Manual liegt das durchschnittliche Erkrankungsalter bei etwa sechs Jahren, doch auch Hunde unter zwei Jahren können betroffen sein. Gesichert wird die Diagnose nur durch eine Gewebeprobe.

Akuter blutiger Durchfall (AHDS)

Das akute hämorrhagische Durchfallsyndrom beginnt plötzlich bei zuvor gesunden Hunden: Erbrechen und blutiger Durchfall, oft mit Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen und Mattigkeit. Betroffen sind häufiger kleine Rassen wie Yorkshire Terrier, Zwergpinscher, Zwergpudel, Malteser und Zwergschnauzer. Die Erkrankung ist nicht ansteckend. Mit Infusionen erholen sich die meisten Hunde.

Parvovirose

Die Parvovirose trifft vor allem Welpen und ungeimpfte Hunde. Meist fünf bis sieben Tage nach der Ansteckung zeigen sich erste Zeichen, innerhalb von ein bis zwei Tagen folgen Erbrechen und blutiger Durchfall. Das Virus wird bis zu drei Wochen mit dem Kot ausgeschieden und kann in der Umgebung monatelang überleben.

Weitere Ursachen

Häufig sind Futterwechsel, verdorbenes Futter oder Abfälle. Auch Würmer lösen vor allem bei Welpen und Junghunden Durchfall und Erbrechen aus. Dazu kommen Futtermittelunverträglichkeiten, Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, Medikamente und Vergiftungen.

Warnzeichen: Wann Durchfall ein Notfall ist

Bring deinen Hund zeitnah zum Tierarzt oder in den Notdienst, wenn:

  • ein Welpe oder ungeimpfter Hund Durchfall hat, besonders mit Erbrechen.
  • der Kot blutig, schwarz oder teerartig ist.
  • dein Hund zusätzlich wiederholt erbricht oder nichts trinkt.
  • er matt, schwach oder fiebrig wirkt oder Bauchschmerzen zeigt.
  • sein Zahnfleisch trocken oder blass ist.
  • er Gift, Medikamente oder einen Fremdkörper gefressen haben könnte.
  • der Durchfall nach ein paar Tagen nicht besser wird oder immer wiederkommt.

Kleine und junge Hunde trocknen schneller aus. Bei ihnen solltest du nicht lange abwarten. Hilfe für die Einschätzung bietet unser Symptom-Checker.

Was du zu Hause tun kannst und was nicht

Ist dein erwachsener Hund munter, frisst und trinkt er, kannst du leichten Durchfall zunächst zu Hause begleiten:

  • Wasser anbieten: Frisches Wasser muss jederzeit bereitstehen.
  • Schonkost: Füttere kleine Portionen leicht verdaulicher Kost und stelle danach langsam auf das gewohnte Futter zurück.
  • Keine Experimente: Verzichte auf neue Leckerlis, Kauartikel und Tischreste.
  • Hygiene: Entferne Kot sofort. Bei Giardien empfiehlt ESCCAP, Flächen nach Möglichkeit mit einem Dampfreiniger über 60 °C zu reinigen, geeignete Desinfektionsmittel zu verwenden und den Hund zu shampoonieren, um Zysten aus dem Fell zu entfernen.
  • Kotprobe sammeln: Da Parasiten nicht in jeder Probe nachweisbar sind, ist eine Sammelprobe über mehrere Tage oft aussagekräftiger.

Was du nicht tun solltest:

  • Gib keine Durchfallmittel für Menschen. Sie können schaden und die Ursache verschleiern.
  • Entziehe deinem Hund kein Wasser.
  • Wechsle nicht hektisch zwischen verschiedenen Futtersorten.

So untersucht der Tierarzt

Der Tierarzt fragt nach Futter, Dauer, Häufigkeit und Aussehen des Kots. Er untersucht deinen Hund, tastet den Bauch ab und schätzt ab, wie stark er ausgetrocknet ist. Eine Kotuntersuchung auf Würmer und Giardien gehört fast immer dazu. Für Giardien gilt laut ESCCAP der Antigentest im Kot als empfindlicher als der Nachweis unter dem Mikroskop.

Je nach Befund folgen Blutuntersuchungen, ein Parvovirus-Schnelltest, Röntgen oder Ultraschall des Bauchs. Bei chronischem Durchfall können eine Futterumstellung auf eine Ausschlussdiät, eine Darmspiegelung und Gewebeproben nötig werden. Bei IBD werden Ausschlussdiäten laut MSD Veterinary Manual mindestens vier bis sechs Wochen gefüttert, ohne Leckerlis außer nach Absprache.

Was kostet die Abklärung?

Die Kosten richten sich nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Angegeben ist der einfache Satz, netto ohne 19 % Mehrwertsteuer. Der Rahmen reicht bis zum dreifachen Satz.

Leistung (GOT-Nr.) Einfacher Satz netto
Allgemeine Untersuchung mit Beratung (16) 23,62 €
Blutprobenentnahme venös (627) 10,26 €
Kleines Blutbild maschinell (617) 20,80 €
Großes Blutbild maschinell (618) 23,52 €
Ultraschalldiagnostik (180) 58,92 €
Injektion s.c./i.m. (221) 11,50 €

Ein Beispiel: Untersuchung, Blutentnahme und kleines Blutbild kosten im einfachen Satz 54,68 € netto, also 65,07 € brutto. Im Notdienst gilt mindestens der zweifache Satz plus 50 € Notdienstgebühr. Mehr Beispiele findest du unter Tierarztkosten Hund und Notdienstkosten. Ob eine Tierkrankenversicherung solche Kosten trägt, zeigt dir unser Vergleich.

Durchfall beim Hund vorbeugen

  • Entwurmen oder Kot untersuchen: ESCCAP empfiehlt bei normalem Infektionsrisiko mindestens viermal im Jahr eine Entwurmung oder Kotuntersuchung.
  • Impfen: Halte den Impfplan gegen Parvovirose ein.
  • Futter langsam umstellen: Der Futterrechner hilft dir bei der passenden Menge.
  • Abfälle meiden: Lass deinen Hund nichts vom Boden fressen.

Häufige Fragen zu Durchfall beim Hund

Wie lange darf Durchfall beim Hund dauern?

Leichter Durchfall bei einem munteren Hund bessert sich oft innerhalb weniger Tage. Hält er länger an, kommt er immer wieder oder geht es deinem Hund schlechter, lass ihn untersuchen. Welpen gehören schneller zum Tierarzt.

Ist Durchfall beim Hund ansteckend?

Das hängt von der Ursache ab. Parvoviren, Giardien und Würmer werden über Kot übertragen. AHDS ist dagegen nicht ansteckend.

Können Giardien auf Menschen übergehen?

Einige Giardien-Typen können Menschen infizieren. Laut ESCCAP sind diese Typen beim Hund aber sehr selten. Gründliches Händewaschen ist trotzdem sinnvoll.

Mein Hund hat Schleim im Kot. Ist das schlimm?

Schleim deutet oft auf eine Reizung des Dickdarms hin. Ist dein Hund sonst fit, kannst du kurz beobachten. Kommt Blut dazu oder hält es an, lass ihn untersuchen.

Quellen

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Kosten im Notdienst

Muss dein Tier außerhalb der Sprechzeiten behandelt werden, berechnen Tierärzte im Notdienst (werktags 18 bis 8 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen) nach der Gebührenordnung (GOT) mindestens den 2-fachen Satz, dazu kommt eine Notdienstgebühr von 50 € zuzüglich Mehrwertsteuer (Quelle: HanseMerkur – GOT). Mehr dazu im Ratgeber Tierarzt-Notdienst Kosten. Ob eine Versicherung die Kosten übernimmt, hängt vom Tarif ab – einen neutralen Überblick findest du im Tierkrankenversicherung Vergleich.

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